Glücksforscher: Lebenszufriedenheit wichtiger als euphorischer Ausnahmezustand

Im diesjährigen Glücksatlas der Deutschen Post werden erneut Faktoren für ein glückliches, zufriedenes Leben beleuchtet. Der Soziologe und Glücksforscher Jan Delhey von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg betont, dass vorübergehende Glücksmomente zwar erstrebenswert seien, es aber wie bei der Studie der Deutschen Post mehr um die Lebenszufriedenheit gehen müsse. Diese wirke "längerfristig" als "stark schwankende Glücksgefühle", sagte der Wissenschaftler der Nachrichtenagentur AFP.

"Man kann ja auch nicht ständig in so einem emotionalen Ausnahmezustand leben", fügte Delhey hinzu. Zufriedenheit sei "das wertvollere Ziel" als euphorische Augenblicke des Glücks.

Aus seiner Forschung zieht der Soziologe den Schluss, dass es für Lebenszufriedenheit drei Pfeiler gebe - das Haben, das Lieben und das Sein. So seien zum einen materielle Faktoren wie Einkommen, Vermögen und Lebensstandard wichtig, zum anderen aber auch Partnerschaften und Freundschaften sowie Unterstützungsnetzwerke.

Mit dem Oberbegriff "Sein" fasst Delhey Faktoren wie den Lebensstil und erfüllende Aktivitäten zusammen. Auch die Frage, ob jemand in seinem Leben einen Sinn sehe, sei wichtig für die Lebenszufriedenheit.

Als Glückskiller nennt Delhey "Arbeitslosigkeit und tiefere Armut". Es gibt ihm zufolge aber auch Glückshemmer, die jeder problemlos selbst beeinflussen könne. So machten zu wenig Schlaf und eine achtlose Ernährung ebenso unglücklich wie übertriebene Forderungen an sich selbst. "Sich unrealistische Ziele zu setzen, ist ein Weg ins Unglück", warnte Delhey.

Auch ständige Vergleiche mit reicheren, durchweg erfolgreicheren Menschen seien kontraproduktiv. Bei realistischen Zielen könne "das Sich-Selber-Fordern aber auch positive Wirkung" haben, sagte der Magdeburger Glücksforscher.