Glanz und Elend Hollywoods - Skandal um Harvey Weinstein weitet sich aus

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Schauspielerin und Model Cara Delevingne

Der Skandal um den Filmproduzenten Harvey Weinstein zieht immer weitere Kreise - von Hollywood bis in die US-Justiz und Politik. Immer mehr Schauspielerinnen und Models melden sich mit Vorwürfen sexueller Belästigung zu Wort - zuletzt am Mittwoch die Schauspielerin Cara Delevingne am Mittwoch. Dabei tritt jenseits der Einzelschicksale langsam der größere Skandal zutage: Weinsteins Verhalten war offenbar jahrelang in der Branche und unter Mächtigen ein offenes Geheimnis.

Die Vorgänge um Weinstein seien nur die "Spitze des Eisbergs", sagte der Comedian und Regisseur Rob Schneider dem Promi-Magazin "TMZ". "Es gibt keine einzige Schauspielerin, die keine Geschichte hat." Er sei selbst in jüngeren Jahren von einem Regisseur sexuell belästigt worden.

Der Branchenjournalist Alex Ben Block, über zehn Jahre Mitglied der Chefredaktion des Fachblatts "The Hollywood Reporter", sagte der Nachrichtenagentur AFP, "viele Leute haben gute Gründe, nicht darüber zu sprechen". Dass es nicht früher herausgekommen sei, liege daran, dass "die meisten Frauen" aus Weinsteins Umfeld befürchtet hätten, "dass es ihrer Karriere schadet, wenn sie an die Öffentlichkeit gehen".

Weinstein sei ein "Käufer", ein "Anwerber", dem niemand habe missfallen wollen, sagte Block. Viele hätten "Angst" gehabt. Es gebe in Hollywood viele "sehr gute Leute", aber auch "Schweinehunde" - "Menschen verfault bis ins Mark, die in dieser Welt erfolgreich sind, weil es eine Welt der Mörder ist".

Die Oscar-Academy und die Leitung des Filmfestivals von Cannes zeigten sich angewidert angesichts der Vorwürfe. Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences, die Produktionen aus den Weinstein-Firmen Miramax und Weinstein Company mit 81 Oscars bedachte, kündigte für Samstag Beratungen über die "Vorwürfe gegen Weinstein" und ihr weiteres Vorgehen an.

Die "New York Times" hatte zunächst berichtet, dass Weinstein Frauen wiederholt sexuell belästigt habe. Daraufhin wurde er am Wochenende von seinem eigenen Filmstudio entlassen.

Am Dienstag berichtete das Magazin "New Yorker" über Vergewaltigungsvorwürfe von drei Frauen gegen den 65-jährigen. Weinsteins Frau Georgina Chapman gab ihre Trennung von dem Produzenten bekannt.

Die Weinstein Company beharrte bislang darauf, nichts von den Vorfällen gewusst zu haben. Doch die "New York Times" berichtete unter Berufung auf einen Anwalt Weinsteins, dass es außergerichtliche Einigungen mit drei oder vier Frauen gegeben habe, damit diese über die Vorfälle Stillschweigen bewahrten.

Nach einer Reihe von anderen Prominenten schilderte zuletzt Model und Schauspielerin Cara Delevingne am Mittwoch, dass Weinstein sie in einem Hotelzimmer aufgefordert habe, eine anwesende Frau zu küssen. Die 25-jährige Britin erklärte, dies habe sie abgewendet, indem sie angeboten habe etwas vorzusingen. Bei der Verabschiedung brachte er "mich zur Tür und stellte sich davor und versuchte, mir auf den Mund zu küssen".

Auch die französische Schauspielerin Léa Seydoux warf Weinstein vor, sie sexuell bedrängt zu haben. Seydoux, 2013 in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet, sagte der Zeitung "The Guardian", "alle" in Hollywood hätten von Weinsteins Verhalten gewusst. "Das ist das Widerlichste daran", sagte sie. "Es ist unglaublich, dass er sich jahrzehntelang so verhalten konnte und trotzdem seine Karriere machte."

Missbrauchsklagen des Models Ambra Battilana Gutierrez bringen auch die Justiz in Erklärungsnot. Gutierrez ging mit ihren Vorwürfen 2015 zur Polizei. Diese habe sie verkabelt zu einem weiteren Treffen mit Weinstein geschickt, berichtete "The New Yorker". Die Tonaufnahmen belegten, wie Weinstein sich dafür entschuldige, Gutierrez' Brust begrapscht zu haben, und wie er sie zu einem Hotelbesuch dränge.

Doch der zuständige Staatsanwalt Cyrus Vance sah von einer Strafverfolgung ab - angeblich mangels Beweisen, wie er am Mittwoch vor Journalisten sagte. Kritiker fragen sich zudem, weshalb Ex-Präsident Barack Obama und Ex-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton so lange zu den Vorwürfen gegen ihren Freund und großzügigen Parteispender Weinstein geschwiegen haben.

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