Globale Abholzung : Nicht mal die Pandemie kann den Regenwald retten

Paul Blickle, Maria Mast

Trotz Corona ist im März mehr Regenwald abgeholzt worden als in den Jahren zuvor, sagt der WWF. Das bedroht die ökologische Vielfalt, das Klima und die Menschen vor Ort.

Durch die Pandemie kommt vieles zum Stillstand, der Regenwald wird aber weiter gerodet. © Bruno Kelly/​Reuters

Die Welt hat sich verlangsamt, steht und stand in diesen Monaten beinahe still. Menschen überall auf der Welt gehen nicht zur Arbeit, Fabriken fahren ihre Produktionen herunter, Exporte sind eingebrochen. Erst diese Woche meldeten Forscher im Magazin Nature Climate Change, dass die Treibhausgaswerte in diesem Jahr dramatisch zurückgegangen sind (Le Queré et al., 2020). Man könnte denken, dass sich durch die Beschränkungen der Pandemie die Natur ein wenig erholen kann. Dass das nicht überall der Fall zu sein scheint, vermeldet jetzt die Naturschutzorganisation WWF.

Die Umweltschützerinnen und -schützer haben sich angeschaut, wie viel Tropenwald im März 2020 zerstört wurde, verglichen mit dem gleichen Zeitraum in den vergangenen vier Jahren. Das Ergebnis: In fast allen betrachteten Ländern hat die Abholzung zugenommen und das trotz des neuen Coronavirus, das zu dieser Zeit bereits weltweit drastische Folgen auslöste. 

Als Datengrundlage dienen Satellitenbilder von 18 Ländern mit tropischem Regenwald in Asien, Afrika und Südamerika. Insgesamt soll im März 2020 eine Waldfläche von rund 645.000 Hektar zerstört worden sein, also mehr als 900.000 Fußballfelder. Insgesamt lagen die Verluste rund 150 Prozent über dem März-Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2019. "Alles weist darauf hin, dass wir es bei der explodierenden Waldzerstörung mit einem Corona-Effekt zu tun haben", sagt Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland. 

Was diese ersten Beobachtungen für die weiteren Monate bedeuten, lässt sich noch nicht sagen, denn wie viel Wald verloren geht, verändert sich auch über ein Jahr hinweg. Schaut man sich etwa den Jahresverlauf 2019 an, zeigen sich in manchen Ländern noch weit größere Schwankungen als aktuell, etwa weil im August und September in Brasilien und im Oktober in Kolumbien riesige Gebiete abgebrannt sind. Schon jetzt aber ist auffällig, dass auf allen drei Kontinenten mehr Wald als in derselben Zeit der Vorjahre verschwunden ist.

Illegale Abholzung im Schatten der Pandemie

Die meiste Waldfläche wurde wohl mit mehr als 300.000 Hektar in Asien vernichtet. Im Vergleich zum März in den Vorjahren ist das ein Zuwachs von 148 Prozent.

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