Good News des Tages: Ein verlorener Scheck und ein gefundener Zweck

Johannes Giesler
Freier Autor
Vielleicht wird Elmer Alvarez Projekt auch aussehen, wie dieser Schutzraum für Obdachlose in Contra Costa County in Kalifornien (Bild: Getty Images/Bob Rowan)

Sie verliert einen Scheck über 10.000 Dollar – und bemerkt es nicht einmal. Er findet den Scheck und hat seinem Leben noch nie so viele Nullen gesehen. Die Geschichte eines ehrlichen Finders und einer zweiten Chance.

Er wird den Tag nie vergessen, an dem er den Scheck gefunden hat. Er weiß noch genau den Platz, die Straßenseite, direkt auf dem Gehsteig. So viele Nullen „hatte er noch nie gesehen“, sagt Elmer Alvarez heute. Es ist ungefähr ein Jahr her, dass die uneingelösten 10.000 Dollar einfach so vor ihm dalagen. Seither hat sich sein Leben auf links gedreht. Aber nicht, weil er zur nächsten Bank gerannt ist und den Scheck eingelöst hat.

Keine Sekunde zögerte er, nach der Besitzerin zu suchen

„Ich musste nach der Besitzerin suchen“, sagte Alvarez vergangene Woche im Interview mit dem amerikanischen TV-Sender CBS. Ob es ihm nicht in den Sinn gekommen sei, den Scheck einzulösen? „Nein, nie. Weil ich eine Entscheidung getroffen habe, mein Leben zu ändern. Ich bin seit drei Jahren clean.“

Trotzdem: Er war zu dem Zeitpunkt obdachlos, er lebte auf der Straße, er hätte jeden Cent gut gebrauchen können. Aber er machte sich sofort auf die Suche nach Roberta Hoskie. Der Immobilienmaklerin in New Haven Connecticut, die den Scheck ausgestellt hatte. „Ich wusste nicht mal, dass er weg war“, erinnert sie sich. Doch nicht nur der Fund war eine Überraschung für sie, auch ihren gutherzigen Samariter Alvarez hatte sie sich ganz anders vorgestellt und musste ihren eigenen Vorurteilen ins Gesicht blicken: Sie erwartete „einen Mann, nett und sauber rasiert, im blauen Anzug.“ Stattdessen tauchte Alvarez auf, der zu weinen begann, als Hoskie ihm einen Finderlohn anbot.

Sie arbeiten gemeinsam an einem Projekt für Obdachlose

Doch das war nicht das Ende der Geschichte, sondern erst der Anfang: Hoskie half Alvarez dabei, eine Wohnung zu finden, sie zahlte sogar seine Miete für sieben Monate im Voraus, bis er wieder auf eigenen Beinen stehen konnte. Sie schickte ihn auf die Maklerschule, zusammen arbeiten sie mittlerweile an einem kleinen Immobilien-Projekt. Das wird ihnen zwar finanziell nichts einbringen, es könnte sich aber trotzdem sehr lohnen.


Denn sie planen den Bau eines Hauses, in dem Obdachlose für eine bestimmte Zeit Unterschlupf finden und wichtige Hilfsangebote in Anspruch nehmen können. „Ich weiß, was es heißt, kein Dach über dem Kopf zu haben. Niemand verdient es, so zu leben“, sagt Alvarez dazu.


In Hoskie fand er für sein Projekt nicht nur finanziell eine starke Partnerin, sie leitet mittlerweile eine Multi-Millionen-Dollar Immobilienfirma, nein, Hoskie kann selbst nur zu gut nachempfinden, wie wichtig es ist, Obdachlosen zu helfen. Sie selbst musste als Teenager und junge Mutter lange Zeit auf der Straße leben. Bis sie sich aus der Armut herausgearbeitet hat und heute Alvarez die Chance bieten kann, seinen Traum wahr werden zu lassen: Anderen Menschen zu helfen. „Das ist genau, was ich erreichen möchte. Es ist eine unglaubliche Chance!“