"Goodbye Deutschland!": Bar-Betreiber wollen in Gran Canaria mit schlüpfrigem Song aus der Krise

Carmen Schnitzer

"Und jetzt nimmst du einfach deine Hand, beginnst am Knie ..." Bei Wigand Henslers Videodreh ging es schlüpfrig zu. Der Song, den Partnerin Branda Krohn sich auf den wohlgeformten Leib geschrieben hatte, sollte die Bar des Paares retten, wie die VOX-Doku "Goodbye Deutschland!" zeigte.

"Das ist eines der schlechtesten und schlimmsten Jahre überhaupt!" Wigand Hensler (67) nahm bei "Goodbye Deutschland! Die Auswanderer" kein Blatt vor den Mund. Schon vor der Corona-Krise sahen er und seine Partnerin Branda (56) sich in Bezug auf deren Erotik-Bar diversen Herausforderungen ausgesetzt, wie die noch kurz vor dem Lockdown gedrehte VOX-Doku zeigte.

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Vor acht Jahren hatten sie auf Gran Canaria die Bude 4 eröffnet, in der es neben Drinks auch Stangentanz-Einlagen der strippenden Barbesitzerin gab. Doch das zunächst einmalige Erfolgskonzept fand auf der Insel schnell Nachahmer - "und auch diese sind dann interessant für die Gäste", so Branda, weil man das Gefühl hätte, man verpasse etwas, wenn man immer nur in derselben Bar die Abende verbrächte. "Jeder ist bemüht, Gäste zu haben, und jeder muss Entertainer hoch drei werden. Der Anspruch der Gäste ist anders geworden, ist höher geworden und wir müssen mithalten."

"Mensch, ey, die Situation finde ich richtig klasse"

Ein guter Getränkeausschank sei früher mal der Magnet gewesen, so Wigand. Heutzutage aber brauche man zusätzlich ein Kulturprogramm. Und darum versucht es das Paar nun mit einem Schlager über die Bude 4, der für Gesprächsstoff sorgen sollte. Branda, gleichzeitig Interpretin, hatte ihn geschrieben, nun stand der Dreh für den Videoclip an. Ihr Partner Wigand, eigentlich gelernter Grafikdesigner, gab den Kameramann und Regisseur in Personalunion. Mit einem "minimalen Equipment", wie er bedauerte: "Das ist 'ne Kamera, mit der filmt man eher Katzen und Hunde - und ich muss hier was richtig Großes abliefern!"

Stammgäste spielten als Statisten mit und bekamen Anweisungen wie: "Du bist ganz entspannt, als ob du jetzt sagst: ,Mensch, ey, das ist so geil hier, die Situation finde ich richtig klasse, törnt mich an, möchte ich ...' Und jetzt nimmst du einfach deine Hand, beginnst am Knie und gehst bis zum Kleidsaum!"

Plötzlich ausgebremst - Masken nähen für den Zivilschutz

Der Mann an der Bar tat wie geheißen, seine Partnerin lächelte, und beide schunkelten brav zu dem Song, den Branda mit recht dünner Stimme, aber voll fröhlicher Leidenschaft sang: "Ja, so schön! Ja, in der Bude ist es schön, weil wir so gern frivol ausgeh'n, bei coolen Drinks und Wein - hier wird keiner lang alleine sein!" Okay, das mag nun nicht die höchste Dichtkunst sein, aber anspruchsvoller ist auch kaum ein Malle-Hit, insofern könnte das Konzept womöglich aufgehen. Die Gäste, die mit Branda und Wigand die Premiere des Songs feierten, waren jedenfalls voll des Lobes: "Sie hat es impulsiv rübergebracht, die Gäste haben mitgemacht, also sie kann stolz auf sich sein. Doch. Also Mir persönlich hat es sehr, sehr gut gefallen", fasste es ein Bargast zusammen. Und auch Branda jubelte: "Ja! Ich bin glücklich!"

Nur wenige Tage später bremste der spanische Corona-Lockdown Brandas Gesangskarriere jedoch erst einmal aus. Jammern aber ist bei ihr und Wigand höchstens sehr kurzfristig eine Option. Stattdessen konzentrierten sich beide aufs Machen und nähten erst mal Masken für den spanischen Zivilschutz, der sie dafür mit Stoffen versorgte: "Da wir ja Nähmaschinen haben und auch alles für die Bar immer selbst genäht haben bisher, ist es für uns selbstverständlich, dass wir da mal mithelfen", erklärte Branda. Ein angenehmer Nebeneffekt der Krise: Endlich hatten beide mal wieder Zeit füreinander und weniger Hamsterrad-Stress. Dennoch hoffen sie darauf, bald wieder die Stimmung in ihrer Bude 4 zum Glühen bringen zu können - weil sie doch so gern frivol ausgeh'n ...

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