"Das" ist zu viel: Ministerin eckt mit Gottesbegriff an

Schröder löst Geschlechterdebatte der anderen Art aus

Ach, Du liebes Gott: Kurz vor Weihnachten hat Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) eine Geschlechterdebatte der etwas anderen Art ausgelöst. Mit ihrem Erziehungstipp, emanzipierten kleinen Mädchen zuliebe auch "das liebe Gott" sagen zu können, stieß die Ministerin auf wenig Nächstenliebe ihrer Parteifreunde. Regierungssprecher bemühten zur Verteidigung päpstliche Weisheit und göttliche Güte.

Schröder, die Mutter einer 18-monatigen Tochter ist, hatte der Wochenzeitung "Die Zeit" ein Interview zu Erziehungsfragen gegeben. Auf die Frage, wie man einem kleinen Mädchen erklärt, dass alle zu "dem lieben Gott beten, nicht zu der Gott" antwortete Schröder: "Ganz einfach: Für eins musste man sich entscheiden. Aber der Artikel hat nichts zu bedeuten. Man könnte auch sagen: das liebe Gott."

Mit solcherlei Sprachsensibilitäten konnten aber vor allem die Kollegen der CSU wenig anfangen. Die "Bild"-Zeitung jedenfalls hatte wenig Probleme, vier Tage vor Heiligabend gleich eine ganze Reihe von gepfefferten Zitaten einzusammeln: "Dieser verkopfte Quatsch macht mich sprachlos", fauchte Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU). Der CSU-Innenpolitiker Stephan Mayer wetterte: "Anstatt immer wieder völlig sinnlose Debatten anzuzetteln, sollte die Ministerin einfach mal ihre Arbeit machen." Und der parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Stefan Müller, nannte die Äußerungen der Ministerin "unabhängig von der Weihnachtszeit unpassend".

Noch beißender äußerte sich der Vatikan-Berater und Direktor des bayerischen Wallfahrtsorts Maria Vesperbild, Prälat Wilhelm Imkamp. "Die Äußerungen von Frau Schröder zeugen von einem erschreckenden religiösen Analphabetismus, sie kennt die Grundrechenarten des Glaubens nicht", sagte Imkamp der Nachrichtenagentur AFP. "Die Äußerungen sind 'dd', dumm und dreist, und zeugen auch von einem hemmungslosen Opportunismus." Imkamp berät unter anderem die Selig- und Heiligsprechungskongregation des Vatikans.

Schröders Sprecher Christoph Steegmans wiederum berief sich zur Verteidigung seiner Ministerin auf den Papst persönlich. Benedikt XVI. selbst habe in seinem Jesus-Buch, Band 1, Seite 174 oben geschrieben: "Natürlich ist Gott weder Mann noch Frau." Seine Pointe, dass "die Kritiker der Ministerin nicht päpstlicher als der Papst sein sollten", verschickte Steegmans nach seinem Vortrag in der traditionellen Regierungspressekonferenz auch noch einmal schriftlich.

Die Ministerin selbst sagte der "Bild"-Zeitung, sie habe bei ihrer Antwort "vielleicht zu sehr an das kleine Mädchen gedacht und nicht an die vielen Erwachsenen, die über meine Worte stolpern".

Beistand leistete der Familienministerin der Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe in Berlin, Prälat Karl Jüsten. Er könne die Aufregung um die Äußerung Schröders nicht verstehen, sagte er der "Saarbrücker Zeitung". "Die Frage der Geschlechtlichkeit stellt sich bei Gott nicht. Es ist nur Gott."

Regierungssprecher Steffen Seibert schließlich verwies die Debatte an höchste Stellen: "Wenn man Gott anders anspricht, dringen die Gebete auch durch." Schröders Tochter, die Anlass für das "Zeit"-Erziehungsinterview gewesen war, dürfte die ganze Aufregung verpassen: "Lotte ist anderthalb, und ich glaube, sie kann 'Mama' sagen", berichtete Sprecher Steegmans.

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