Größte Proteste gegen die Militärjunta in Myanmar seit Tagen

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In Myanmar haben sich am Mittwoch mehrere zehntausend Menschen zu den größten Protesten gegen die Militärjunta seit Tagen versammelt. In der Wirtschaftsmetropole Rangun veranstalteten die Demonstranten eine Kundgebung an der Sule-Pagode, bei der sie die Freilassung der durch den Putsch entmachteten De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi forderten. Der UN-Sondergesandte Tom Andrews warnte vor einer Zuspitzung der Lage in dem südostasiatischen Land.

"Kampf für die Demokratie!", "Widerstand gegen den Putsch!", "Respekt für die Gesetze!", hieß es auf den Spruchbändern der Demonstranten. In großen Teilen des Landes herrscht Aufruhr, seit das Militär Suu Kyis Regierung am 1. Februar entmachtete. "Wir müssen bis zum Ende kämpfen", sagte eine 21-jährige Studentin, die ihren Namen nicht nennen wollte. "Wir müssen unsere Einheit und Stärke zeigen, um die Militärherrschaft zu beenden."

In Pyinmana nahe der Hauptstadt Naypidaw nahmen zehntausende Menschen an einer Protestkundgebung teil, darunter Ingenieure, Ärzte und Lehrer. Es gab auch Demonstrationen in abgelegenen Regionen des Landes, etwa in der Region Chin und in der Kleinstadt Irrawaddy. An den beiden voraufgegangenen Tagen waren die Proteste schwächer. Das Militär hatte am Wochenende um Rangun Truppen zusammengezogen.

Eine 20-jährige Frau, die bei den Protesten gegen die Junta in der vergangenen Woche von einer Kugel in den Kopf getroffen wurde, wurde als hirntot eingestuft. Am Dienstag erlag ein Polizist den Verletzungen, die er bei einer Kundgebung in Mandalay erlitten hatte. Seit dem Putsch wurden mehr als 450 Menschen in Myanmar festgenommen.

"Ich befürchte eine weitere Zunahme der Gewalt in Myanmar, in einem größeren Ausmaß als wir es seit der illegalen Machtübernahme am 1. Februar gesehen haben", erklärte der UN-Sondergesandte Andrews am Dienstag. Er habe "Informationen erhalten, wonach Soldaten aus den umliegenden Regionen nach Rangun geschickt wurden". In der Vergangenheit seien derartige Truppenbewegungen "Morden, dem Verschwinden von Menschen und Festnahmen in großem Ausmaß" vorausgegangen.

Er habe "Angst" angesichts der zeitgleich stattfindenden Massenproteste, sagte Andrews. "Die Militärs könnten noch schwerere Verbrechen gegen die Bevölkerung von Myanmar begehen."

Das Militär hatte am 1. Februar die Macht an sich gerissen, Suu Kyi festgenommen und später unter Hausarrest gestellt. Der Putsch beendete eine zehnjährige Phase des demokratischen Wandels.

Andrews appellierte an die internationale Gemeinschaft, Druck auf die Generäle auszuüben. "Die anhaltende Unterdrückung der Grundrechte und der Menschenrechte der myanmarischen Bevölkerung muss umgehend aufhören", forderte er. Zugleich rief er ausländische Unternehmen auf, die Verbindungen zu Myanmar zu kappen, wenn die Militärs "diesen Weg der Gewalt weitergehen".

ao/ju