Grönland verbietet wegen Corona-Krise Verkauf von Alkohol in der Hauptstadt

Verlassene Straße in Grönlands Hauptstadt Nuuk

Weil sie wegen der Einschränkungen des öffentlichen Lebens aufgrund der Corona-Krise mehr Gewalt befürchtet, hat die Regierung in Grönland den Verkauf von Alkohol in der Hauptstadt Nuuk verboten. Die Entscheidung diene vor allem dem Schutz von Kindern, erklärte Regierungschef Kim Kielsen am Samstagabend. In Grönland ist sexueller Missbrauch von Kindern weit verbreitet.

Die "besondere Situation" erfordere Präventionsmaßnahmen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, erklärte Kielsen mit Blick auf die Eindämmungsmaßnahmen gegen das Coronavirus. Seit knapp einer Woche sind in Grönland die Schulen geschlossen, Versammlungen mit mehr als zehn Menschen wurden verboten. Seither verzeichneten die Behörden einen Anstieg bei häuslicher Gewalt.

"Leider haben wir in den vergangenen Wochen in Nuuk mehr häusliche Gewalt verzeichnet", sagte Gesundheitsministerin Martha Abelsen vor Journalisten. Der exzessive Alkoholkonsum mancher Eltern könne für Kinder ein Sicherheitsrisiko sein, fügte sie an.

Das Alkoholverkaufsverbot trat mit sofortiger Wirkung am Samstag in Kraft. Es soll bis mindestens 15. April gelten.

In Grönland wird Statistiken zufolge fast jedes dritte Kind Opfer von sexueller Gewalt. Häufig steht die Gewalt im Zusammenhang mit Alkoholmissbrauch. Kielsens Regierung hat versprochen, stärker gegen Kindesmissbrauch vorzugehen. Bis 2022 solle es keine Fälle von sexuellem Missbrauch an Minderjährigen mehr geben.

Grönland hat bisher zehn Infektionsfälle mit dem neuartigen Coronavirus gemeldet. Zwei der Betroffenen haben sich demnach bereits wieder erholt.