Bundesinstitut empfiehlt: PIP-Brustimplantate entfernen

Silikon kann offenbar auch ohne Rissbildung austreten

Im Skandal um defekte Billig-Brustimplantate der französischen Firma PIP empfiehlt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) nun doch vorsichtshalber eine Entfernung der Silikonkissen. Es gebe vermehrt Hinweise, dass auch ohne Riss des Implantats Silikon austreten kann, teilte das Bundesinstitut mit. Mehrere tausend Frauen sind in Deutschland womöglich betroffen.

Bislang gab es Empfehlungen für eine Operation nur von Medizinern, nicht aber von amtlicher Seite. In den vergangenen Tagen seien zunehmend Mitteilungen von Ärzten, Fachgesellschaften und Kliniken eingegangen, wonach auch bei Implantaten ohne Risse das Silikon austreten könne, teilte BfArM-Präsident Walter Schwerdtfeger zur Begründung für die Neubewertung mit. Kurz vor Weihnachten hatte das BfArM lediglich zum Arzt- oder Klinikbesuch geraten.

Sein Institut empfehle, "dass die betroffenen Implantate als Vorsichtsmaßnahme entfernt werden sollten", erklärte Schwerdtfeger nun. Wie dringend die operative Entfernung sei, hänge "wesentlich davon ab, wie lange die Patientin das Implantat bereits trägt". Das Institut wies auf die Meldeverpflichtung bei Schadensfällen hin, um die Einschätzung der Risiken verbessern zu können.

Das Magazin "Focus" schätzte die Zahl der möglicherweise in Deutschland betroffenen Frauen im Dezember auf 7500. Offizielle Zahlen liegen aber nicht vor.

Nach Angaben des Berufsverbandes der Plastischen und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC) gibt es Hinweise darauf, dass die Billig-Prothesen verstärkt "ausschwitzen" und damit Silikon durch die Hülle hindurch in den Körper abgeben. Die britische Regierung sieht keinen Anlass, den mehr als 40.000 betroffenen Frauen generell die Operation zu empfehlen. In Frankreich hatten die Behörden bereits vor Weihnachten alle 30.000 betroffenen Frauen aufgefordert, sich die Prothesen entfernen zu lassen.

PIP-Gründer Jean-Claude Mas gab in einem Polizeiverhör zu, drei Viertel seiner Prothesen mit einem Billig-Gel gefüllt zu haben, das er mit einem für die Industrie bestimmten Silikon des deutschen Chemiegroßhändlers Brenntag zusammenmixte. Nur ein Viertel der Kissen habe das siebenmal teurere US-Produkt Nusil enthalten, das Mas auch gegenüber dem TÜV Rheinland angab. Der 72-Jährige räumte ein, den TÜV, der seine Kontrollen zehn Tage vorher ankündigte, gezielt getäuscht zu haben. Mas musste seine Firma 2010 auflösen. PIP hatte weltweit hunderttausende Brustimplantate verkauft.

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