Grüngürtel-Schule Rodenkirchen: Eltern demonstrieren gegen überfüllte Klassenräume

Statt ursprünglich 150 Kindern werden an der Grüngürtelschule jetzt 345 unterrichtet.

Den Eltern der Grüngürtelschule reicht es. Sie wollen die „katastrophale“ Raumnot dort nicht mehr hinnehmen und zogen vors Kölner Rathaus, um ihren Frust loszuwerden. Gebaut wurde die Grundschule ursprünglich für 150 Kinder, jetzt werden dort 345 unterrichtet.

Die katholische Grüngürtelschule (KGS) teilt sich das Grundstück seit 30 Jahren mit der evangelischen Ernst-Moritz-Arndt Grundschule (EMA), die ebenfalls längst aus den Nähten platzt und bereits aufgestockt und um einen Container erweitert wurde. Der Neubau der EMA ist seit 2009 im Sürther Feld beschlossen, wurde aber immer wieder verschoben. Wegen der „Wartestellung“ gab es seitdem keine Sanierungen, die aber dringend nötig wären.

Toilettensituation untragbar

Die Toiletten an der KGS zum Beispiel seien „schockierend“, heißt es. „Länger als zehn Sekunden kann man es wegen des beißenden Geruchs auf dem Jungenklo nicht aushalten“, sagt Silvia Behrendt, die Vorsitzende der Schulpflegschaft, die selbst zwei Kinder an der KGS hat.

Wenn die EMA wie geplant schon längst aufs Sürther Feld gezogen wäre, dann könnte die KGS deren Räume nutzen. Der EMA-Neubau hat sich aber verzögert, weil die Schule mittlerweile größer geplant wurde. Der neue Entwurf ist längst fertig, aber der Spatenstich dennoch nicht in Sicht.

Eltern verunsichert

Vor kurzem hat auch die Offene Schule Köln (OSK) Anspruch auf einen Neubau im Sürther Feld erhoben. Die Eltern der EMA und der Grüngürtelschule sind nun verunsichert. Möglicherweise führe das wieder zu Verzögerungen oder Einschränkungen für den Neubau der EMA, befürchten sie.

Um die größte Raumnot an der Grüngürtelschule zu lindern, hat die Bezirksvertretung im Februar beschlossen, dass dort ein Container aufgestellt und ein vorhandener aufgestockt werden soll.

Die Verwaltung prüft aber noch, ob das möglich ist. Für Silvia Behrendt sind die Container keine Dauerlösung, der EMA-Neubau müsse dringend starten. Insgesamt ist die Schulplatznot groß im Kölner Süden, und nicht nur da. Die Neubaugebiete locken Familien an.

Hoffnung in Rondorf

Neue Züge wurden eingerichtet am Gymnasium Rodenkirchen, an der Gesamtschule Zollstock, an den Grundschulen in Weiß und Sürth. Die Rodenkirchener Gesamtschule erhält Container. Verzögerungen gibt es beim Grundschulbau an der Gaedestraße.

Die Rondorfer hoffen, dass im Neubaugebiet Rondorf Nord-West als eines der ersten Gebäude eine weiterführende Schule errichtet wird.

Interview mit Silvia Behrendt von der Schulpflegschaft über die Gründe für die Demo

Silvia Behrendt ist die Vorsitzende der Schulpflegschaft der Grüngürtelschule an der Mainstraße in Rodenkirchen. Federführend hat sie mit einem Team eine Demonstration mit 100 Teilnehmern vor dem Rathaus organisiert, um auf die Schulplatznot aufmerksam zu machen, insbesondere auf die akute Raumnot der Grüngürtelschule.

Frau Behrendt, warum die Demo vor dem Kölner Rathaus?

Weil dort der Schulausschuss tagte und weil dort die Ansprechpartner sitzen, denen wir unseren Unmut über die Schulplatznot kundtun konnten. Ich glaube, das ist uns gelungen. Ich konnte vor den Ratsmitgliedern sprechen, und wir haben unsere Flugblätter verteilt. Es gab ein wenig Kommunikation mit Politikern. Auch mit der Schuldezernentin Agnes Klein konnten wir ein paar Worte wechseln.

Wie sieht die Praxis aus?

An unserer Schule sind die Klassen durchweg mit 30 Kindern besetzt. Eine individuelle Förderung ist kaum noch möglich. Zum dritten Mal in Folge gab es Ablehnungen, und zum ersten Mal wurde nicht einmal mehr der Zweitwunsch berücksichtigt. Besonders schwierig ist es für Familien, die im Lauf des Jahres zuziehen. Für deren Kinder gibt es keine Chancen auf einen Schulplatz. Die Grundschulen in Weiß und Sürth lehnen nicht ab, sie werden um einen Zug erweitert. Von anderen Grundschulen im Bezirk Rodenkirchen kenne ich die Lage nicht genau. Wir sind noch nicht so gut vernetzt, daran arbeiten wir aber.

Wovor haben die Eltern am meisten Angst?

Dass die Förderung der einzelnen Kinder auf der Strecke bleibt. Dass es keine ortsnahen Grundschulen mehr gibt, dass die Wege zu lang sind. Laut einer städtischen Prognose wird der Anteil der Kinder und Jugendlichen im Alter von sechs bis 18 Jahren im Bezirk Rodenkirchen um 34 Prozent steigen bis zum Jahr 2025. Das hat dann auch dramatische Auswirkungen auf weiterführende Schulen. Die Gesamtschule Rodenkirchen hat wieder mehrere Hundert Kinder ablehnen müssen.

Und was fordern die Eltern?

Die Stadt muss endlich die Ärmel hochkrempeln und mit Priorität Schulen bauen, auch wenn die Gebäudewirtschaft über Personalmangel klagt. Es ist nicht zu verstehen, dass der Neubau der Ernst-Moritz-Arndt Schule im Sürther Feld schon 2009 beschlossen wurde und nun erst 2020/21 entstehen soll. Den Neubürgern hatte man eine Grundschule versprochen, sie wurden getäuscht. Solche Fehler dürfen im Rondorfer Neubaugebiet nicht passieren.

Planen Eltern weitere Aktionen?

Unsere Aktion war nur der Startschuss. Am 25. April, wenn der Schulausschuss tagt, plant die Stadtschulpflegschaft wieder eine Demonstration. Wir müssen die Stadt wachrütteln und aus dem Dornröschenschlaf aufwecken. Wir bleiben dran.

Das Gespräch führte Ulrike Süsser...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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