Grüngürtel: Widerstand gegen die Ausbaupläne des 1. FC Köln

Bürger haben Bedenken gegen die Erweiterung auf Kosten der Grünflächen.

Ein Papierstapel dominiert das Foto auf der Leinwand, das ein Overheadprojektor dorthin projiziert. „Hier sieht man die Einwendungen, die Sie zu der geplanten Erweiterung des FC-Geländes im Äußeren Grüngürtel an die Stadtverwaltung geschickt haben“, erläutert Roland Schüler, stellvertretender Bezirksbürgermeister von Lindenthal. „Und das ist die Stellungnahme der Verwaltung.“

Schüler zeigt auf ein zusammengeheftetes Blätterpaket. Unruhe macht sich in der Aula des Hildegard-von-Bingen-Gymnasiums beim Treffen von Ausbaugegnern breit: „Ich habe keine Antwort bekommen“, ärgern sich viele Besucher.

„Deswegen sind wir ja heute Abend hier“, sagt Schüler. Unter dem Titel „Was ist aus meiner Einwendung geworden?“ hat die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen der Bezirksvertretung Lindenthal eingeladen, um über die Antwort der Verwaltung auf die Schreiben der Bürger zu informieren – und wie das Verfahren weiter läuft. Rund 200 Menschen sind gekommen.

Was ist entschieden?

Viele hatten sich bei der Verwaltung zu den Plänen des 1. FC Köln geäußert, im Äußeren Grüngürtel drei weitere Kunstrasenplätze anzulegen und ein neues Leistungszentrum zu bauen. Mehr als 500 Einwendungen waren eingegangen. „So viele hat es bislang nur zu der geplanten Verlagerung des Großmarktes gegeben“, sagt Schüler. In 475 Einwendungen haben sich Bürger deutlich gegen das Vorhaben des FC gewandt.

Die Bürgerinitiative Grüngürtel für Alle! hat sich gebildet. Die Verwaltung hatte einen Kompromissvorschlag erarbeitet. Demnach sollte der FC auf einen der geplanten Trainingsplätze verzichten. Der Stadtentwicklungsausschuss entschied aber mehrheitlich gegen die Stimmen der Grünen und der Linken, dass der Verein das Gebäude und drei Kunstrasenplätze bauen kann.

Zum Ausgleich sollen ein kleiner Trainingsplatz des Klubs am Decksteiner Weiher sowie die alte Kampfbahn am Decksteiner Fort – die hauptsächlich vom FC gepachtet wird – renaturiert werden. Ein Grund für die positive Entscheidung der Politik ist nach Ansicht der Grünen zumindest auch die „unkritische Stellungnahme der Verwaltung“.

Wie lautet die Kritik an der Verwaltung?

Die Verwaltung habe zwar ausführlich Stellung bezogen, sagt Schüler. Mit dem Kernproblemen, dass die Pläne gegen Denkmal- und gegen Landschaftsschutz verstoßen, habe sie sich inhaltlich gar nicht auseinandergesetzt. „Jede Einwendung, die Sie gemacht und mit dem Denkmalschutz begründet haben, wird dadurch ausgehebelt, dass die Verwaltung sagt, der Stadtkonservator habe keine Bedenken“, kritisierte Schüler.

Im Gymnasium fasste er Kritikpunkte der Grünen und anderer Ausbaugegner zusammen, die bereits die Stellungnahme der Verwaltung kennen. Vielen im Publikum war sie nicht bekannt. Bei einem derartigen Eingriff in ein Denkmal seien öffentliche und private Interessen gegeneinander abzuwägen, sagte Schüler. Eine Abwägung sei aus der Stellungnahme der Verwaltung nicht ersichtlich.

Auch Belange des Landschaftsschutzes seien fachlich nicht bewertet und abgewogen worden. Die Verwaltungsvorlage begnüge sich mit dem Hinweis, das Grünflächenamt habe keine Bedenken. Schüler wies darauf hin, dass Bürger Bauvorhaben im Grüngürtel angeführt haben, die von der Stadt mit Hinweis auf den Denkmalschutz abgelehnt wurden. Die hätte die Verwaltung als Einzelfälle abgetan.

Auch eine ergebnisoffene Prüfung der Alternativstandorte habe nicht stattgefunden. Das Argument, die Wiesen würden weiter der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, überzeuge nicht: Sie seien nur nutzbar, wenn der Verein einverstanden ist, und auch nur für Fußball.

Was kritisieren die Ausbaugegner?

„Ich als Denkmalpfleger meine, es wäre wichtig gewesen, genau zu sagen, warum der Stadtkonservator keine Bedenken hat“, betont Heinz Günter Horn, ehemaliger Vorsitzender des Rheinischen Vereins für Denkmalschutz und Landschaftspflege. „Es hat entweder keine Abwägung stattgefunden oder sie ist nicht transparent.“ Kritisch äußerte sich auch Utz Küpper, ehemaliger Leiter des Stadtplanungsamtes. „Es ist ein schwerwiegendes Abwägungsdefizit, prüft man in so einem Fall nicht ernsthaft Alternativstandorte.“

Was sagt die Verwaltung?

Das Stadtplanungsamt sieht keine Fehler bei der Abwägung der Belange. Der Stadtkonservator habe Bedenken geäußert, aber nur in Hinsicht auf die Dimension des geplanten Gebäudes. Die Kunstrasenplätze hätte er als denkmalverträglich eingestuft. Auch der Landschaftsschutz würde dem Vorhaben nicht entgegenstehen. „Ein Bebauungsplan kann den Landschaftschutz verdrängen“, sagt Anne-Luise Müller, Leiterin des Stadtplanungsamtes – unter gewissen Voraussetzungen.

In diesem Fall seien sie erfüllt. Der FC würde an anderer Stelle für Ausgleichsfläche sorgen. Flutlicht – das bestimmte Tierarten stört – werde nur gedämpft und nur zu bestimmten Uhrzeiten eingeschaltet. Alternativstandorte kämen vor allem deswegen nicht in Frage, weil sie sich nicht in Nähe der Sportgymnasien – etwas des Apostelgymnasiums – befinden. Der FC argumentiert, er brauche die Nähe dieser Schulen für seine Nachwuchsarbeit.

Wie geht es weiter?

Sobald die Pläne offengelegt werden, können Bürger wieder innerhalb eines Monats Einwendungen einbringen. Roland Schüler informierte über das Prozedere: Alle Punkte seien schriftlich aufzuführen, auch frühere Einwendungen. Nur so seien sie rechtlich relevant für eine eventuelle spätere Klage gegen die Stadt – wenn sie einen Bebauungsplan beschlossen habe, der den Vorstellungen des FC entspreche.

Stellungnahme der Verwaltung:

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