Greenpeace-Chef fordert Kehrtwende auch bei Land- und Waldnutzung

Mit Blick auf den neuen IPCC-Bericht zu Klimawandel und Landnutzung, der an diesem Donnerstag veröffentlicht wird, drängt die Umweltschutzorganisation Greenpeace auf eine Kehrtwende nicht nur im Energiesektor, sondern auch bei der Land- und Waldnutzung. "Raus aus Kohle, Öl und Gas und zugleich eine Agrar- und Waldwende", dafür müsse die Bundesregierung jetzt die Weichen stellen, sagte der Geschäftsführer von Greenpeace Deutschland, Martin Kaiser, der Nachrichtenagentur AFP.

Er verlangte von der Bundesregierung "in diesem Herbst ein großes Paket für den Klimaschutz, das sofortige Wirkung entfaltet". Mit Blick auf die Landnutzung, den Schwerpunkt des aktuellen Sonderberichts des Weltklimarats (IPCC), forderte Kaiser: "Ökosysteme, wie etwa natürlich Waldgebiete, die unverzichtbare CO2-Speicher sind, müssen konsequent geschützt werden."

Zugleich müssten Treibhausgasemissionen aus der Tierproduktion reduziert werden. In Deutschland bedeute dies "vor allem eine Begrenzung der Zahl der Tiere pro Stall". Jeder Betrieb dürfe "nur so viele Tiere halten, wie mit dem Anbau von Futterpflanzen auf der eigenen Fläche ernährt werden können." Auch eine Fleischsteuer, wie sie derzeit diskutiert wird, könne "eine wichtige Maßnahme" sein. Es sei für die Menschen ohnehin gesünder, "wenn sie weniger und dafür qualitativ besseres Fleisch essen".

"Es kann nicht sein, dass wir Soja aus Brasilien für die Massentierhaltung in Deutschland importieren, wofür dann dort Wälder und Savannen zerstört werden", mahnte der Greenpeace-Chef. Ohnehin sei die Abholzung natürlicher Wälder wie am Amazonas, die sich unter Brasiliens rechtsradikalem Präsidenten Jair Bolsonaro massiv beschleunigt hat, ein großes Problem: "Wenn der Regenwald dort verloren ginge, wäre das für das Erdklima ein wirklicher Kipppunkt."

Änderungen müsse es aber auch bei der Nutzung der Wälder hierzulande geben. "Lasst sie wachsen, holt nicht jeden Stängel aus dem Wald raus", forderte Kaiser. Stattdessen sei wichtig, "die Ökosysteme zu stärken, damit sie mehr CO2 aufnehmen können".

Keine Lösung ist aus Sicht von Greenpeace die verstärkte Nutzung von Biomasse: "Wenn wir dagegen die Ökosysteme für Bioenergie plündern, dann werden sie zusammenbrechen", warnte Kaiser. Bereits jetzt gebe es "das dramatische Bienensterben durch Intensivlandwirtschaft und den Einsatz von Pestiziden". Außerdem werde das Potenzial von Biomasse für den Klimaschutz "völlig überschätzt".

"Die schneller als befürchtet zunehmende Erderhitzung macht deutlich, was uns droht, wenn wir nicht aufhören, fossile Brennstoffe, also Kohle, Öl und Gas zu verbrennen" sagte der Greenpeace-Geschäftsführer weiter mit Blick auf "Dürre, Ernteausfälle und brennende Wälder". Die jetzigen Ökosysteme seien nicht auf den Klimawandel eingerichtet. "Wir brauchen daher jetzt eine Kehrtwende", forderte er noch in diesem Herbst einen "klaren gesetzgeberischen Rahmen" für die Abkehr von Kohle und Gas.

Kaiser verwies unter Hinweis auf den IPCC-Bericht auf die dramatischen weltweiten Folgen des Klimawandels. "Wir sehen jetzt schon, dass sich im Bereich der Subsahara die Wüste ausbreitet und die landwirtschaftliche Fläche abnimmt." Wasserknappheit und Ernährungsengpässe nähmen vielerorts zu. Es werde "immer mehr Regionen geben, die wegen der zunehmenden Erderhitzung für Menschen nicht mehr bewohnbar sind".