Greenpeace-Taucher finden Tiefsee-Paradies an Seeberg im Südatlantik

Tristan-Languste am Tiefseeberg Vema

Mitten im Südatlantik haben Greenpeace-Taucher ein Tiefsee-Paradies entdeckt: Bei einer Expedition des Forschungsschiffs "Arctic Sunrise" am Tiefseeberg Vema, der fast tausend Kilometer vor der Küste Südafrikas liegt, fanden die Umweltschützer nach Angaben vom Mittwoch unter anderem Tristan-Langusten, die dort längst als ausgerottet galten. An den Berghängen des gewaltigen Unterwassermassivs stießen die Taucher aber auch auf verlorene oder weggeworfene Hummerkäfige und anderen Müll aus der Fischerei.

"Es macht mich wütend, an einem so entlegenen Ort alten Fischereimüll zu finden", sagte der deutsche Meeresbiologe und Taucher Thilo Maack an Bord der "Arctic Sunrise".

Mount Vema ist ein Tiefseeberg, der sich fast tausend Kilometer nordwestlich von Kapstadt aus 4600 Meter Tiefe bis 26 Meter unter die Meeresoberfläche erhebt. An seinen Gipfeln wiegen sich Kelpwälder aus Tang in der Strömung. Zwischen den Zweigen leben Gelbschwanzmakrelen und Streifenbrassen. Auch Algen, Korallen und viele Krebsarten finden am Vema ideale Lebensbedingungen. Die tieferen Berghänge sind Heimat für Schwarze Korallen und Gorgonien.

Die Greenpeace-Taucher konnten auch dutzende Tristan-Langusten beobachten, deren Bestand am Mount Vema eigentlich als ausgelöscht galt. Für die Umweltschutzorganisation ist der Fund ein Beweis für die Wirksamkeit von Meeresschutzgebieten: Nach Einschätzung von Greenpeace hat sich der Bestand der Tristan-Langusten erholt, weil die Südostatlantische Fischereiorganisation (SEAFO) 2007 ein Verbot der Grundfischerei verhängte.

"Ohne das Fischereiverbot wäre diese Art hier für lange Zeit verloren gewesen", sagte Maack. "Vema zeigt: Die Meere erholen sich, wenn man ihnen Zeit und Raum dafür gibt."

Die Umweltschützer fordern aber auch mehr Schutz und konsequente Maßnahmen gegen Geisternetze und ausrangiertes Fischereigerät in den Ozeanen. Jährlich landen laut einem am Mittwoch veröffentlichten Greenpeace-Bericht rund 640.000 Tonnen altes Fischereigerät wie Netze, Bojen, Leinen, Fallen und Körbe in den Ozeanen, was dem Gewicht von mehr als 50.000 Doppeldecker-Bussen entspricht.

Sechs Prozent aller Netze, neun Prozent aller Fallen und 29 Prozent aller Langleinen enden den Angaben zufolge irgendwann in den Meeren. Weltweit trägt altes Fischereigerät demnach zu etwa zehn Prozent zum Plastikmüll in den Meere bei. In einigen Meeresregionen stammt demnach sogar der größte Teil des Plastikmülls aus der Fischerei.

Alte Netze, Leinen oder die Hummerkäfige, die Greenpeace-Taucher am Mount Vema gefunden haben, können zudem zur tödlichen Falle für Fische, Krebse und andere Meerestiere werden. Maack verglich den Müll der Fischereiindustrie mit einem "Zombie". Er mache auch dann noch tödliche Beute, wenn er längst ausrangiert sei.

Seeberge sind laut dem Greenpeace-Bericht besonders häufig betroffen, da sie wegen ihrer großen Artenvielfalt stark befischt werden. Am Mount Vema hat der Niederländer Pascal Van Erp etwa einen mit Algen und Tang bewachsenen Hummerkäfig aus dem Wasser gezogen. Nach der Beseitigung solchen Mülls sei er immer "richtig begeistert", weil er damit einen "Kreislauf des Todes" durchbrechen könne, sagte der 42-Jährige nach seinem Taucheinsatz.

Die Reise der "Arctic Sunrise" zum Mount Vema ist Teil einer großen Schiffsexpedition vom Nord- zum Südpol mit zahlreichen Stopps in der Hochsee. Greenpeace fordert von den Vereinten Nationen, im kommenden Jahr einen ambitionierten, rechtlich bindenden Hochseeschutzvertrag zu verabschieden, mit dem 30 Prozent der Meere bis 2030 geschützt werden. Die Verhandlungen machen nach Angaben der Umweltschützer aber kaum Fortschritte.