Greenpeace: Weniger fliegen, mehr Bahn fahren! Sonst droht der "Klimacrash"

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Viele Flugverbindungen in Europa können durch Zugfahrten ersetzt werden, wie aus einem Greenpeace-Report hervorgeht. Doch die Umweltorganisation fordert von der EU mehr, als die Möglichkeiten optimal auszunutzen. Um den "Klimacrash" zu verhindern, müssten beim Flug- und Bahnverkehr "zusätzliche Maßnahmen" ergriffen werden.

Airplane leaving jet contrails with CO2 word inside. Suitable for ecofriendly and sustainable journey concepts and the negative impact on the environment.
Symbolbild: Getty Images

Kurzstreckenflüge sind ein Klimakiller, sie sind etwa zwölfmal umweltschädlicher als vergleichbare Bahnfahrten. Dabei ließe sich ein Großteil der Kurzflüge in Europa schon heute durch klimafreundliche Zugfahrten ersetzen, wie aus einer Studie im Auftrag von Greenpeace hervorgeht. Doch das optimale Ausschöpfen der Möglichkeiten würde der Umweltorganisation nicht reichen. Sie fordert von der Europäischen Union "zusätzliche Maßnahmen", um den Flugverkehr zu reduzieren und gleichzeitig den Bahnverkehr auszubauen.

Für viele Flugverbindungen gibt es Zugalternativen

Rund ein Drittel (29 Prozent) der 250 wichtigsten Flugverbindungen in der EU (plus Schweiz, Norwegen und Großbritannien) ließen sich schon heute durch klimaschonende Zugfahrten von unter sechs Stunden ersetzen, heißt es in dem Greenpeace-Report "Auf die Schienen, fertig, los: Bahnalternativen zu Kurzstreckenflügen in Europa". Einen ähnlichen Prozentsatz erreichen die Zugalternativen zu den 150 am meisten geflogenen Kurzstrecken. Grundlage des Berichts, den die italienische Denkfabrik OBC Transeuropa für die Umweltorganisation erstellt hat, sind Fluggastzahlen aus dem Jahr 2019 sowie Bahndaten und Fahrplaninformationen aus 2019 und 2021.

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Die "größte Verantwortung für den Luftverkehr in Europa" trägt laut Greenpeace Deutschland. Denn ein Drittel der 150 meistgenutzten Flugstrecken innerhalb der EU würden von hier ausgehen und/oder hier ankommen. Dabei könnten hierzulande, so die Studie, schon heute 38 Prozent der 40 wichtigsten deutschen Flugstrecken innerhalb der EU klimaschonend mit dem Zug in weniger als sechs Stunden zurückgelegt werden.

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Die Politik sollte den Fokus stärker auf den klimafreundlicheren Zugverkehr legen, statt die umweltschädliche Luftfahrtindustrie zu bevorzugen, fordert Greenpeace. (Symbolbild. Getty Images)

Greenpeace fordert jedoch mehr, als die schon vorhandenen Zugalternativen zu den Kurzstreckenflügen auszuschöpfen. Es gelte vielmehr, das bestehende Angebot weiter auszubauen. Würden etwa alle Top-250-Kurzstreckenflüge in Europa durch Zugfahrten ersetzt, rechnet die Umweltorganisation aus, könnten jährlich rund 23,3 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. "Wir brauchen jeden Schritt, der den CO2-Ausstoß im Verkehr senkt", sagt Lena Donat, Verkehrsexpertin von Greenpeace. "Der steigende Flugverkehr wird zu einem wachsenden Klimaproblem."

Wir bewegen und in die falsche Richtung

"Steigender Flugverkehr" – die Entwicklung im Flug- und Zugverkehr ist dem Klima also abträglich. Laut Greenpeace plant die Luftfahrtindustrie, "eine der klimaschädlichsten und ungerechtesten Branchen der Welt", bis 2024 wieder auf den Stand von vor dem Einbruch durch Corona zu kommen und den Flugverkehr bis 2037 weltweit zu verdoppeln. Als "einen der Hauptgründe, warum die Branche so schnell wachsen konnte", nennt die Umweltorganisation staatliche Subventionen sowie Befreiungen von Mehrwert- und Kerosinsteuer. Diese Maßnahmen hätten die Flugpreise "künstlich niedrig gehalten".

Die Förderung der Luftfahrtindustrie geschehe zu Lasten der Eisenbahnbrache, so Greenpeace. EU-weit mache der Zugverkehr heute weniger als sieben Prozent des gesamten Personenverkehrs aus. Die Organisation stellt fest, dass in den letzten Jahrzehnten viele grenzüberschreitende Bahn- und Busverbindungen zwischen europäischen Städten "vernachlässigt oder eingestellt" wurden. Problematisch sei auch das mangelnde Angebot an direkten Zugverbindungen. Auf vielen Zugalternativen zu den 150 wichtigsten Flugverbindungen innerhalb der EU müssten die Reisenden "mit drei oder sogar vier verschiedenen Zügen fahren", kritisiert Greenpeace.

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Nicht zuletzt lasse das Angebot nationaler und internationaler Nachtzugverbindungen zu wünschen übrig. Von den 250 meistgenutzten Flügen in der EU, in Norwegen, im Vereinigten Königreich und in der Schweiz gebe es heute nur zu 51 Flügen, also 20 Prozent, Direktnachtzug-Alternativen. "Generell ist die Situation des Zugverkehrs in Europa im Jahr 2021 schlechter als im Jahr 2019", erklärt die Umweltorganisation. Das liege vor allem an der Zäsur durch Corona. Dass die Dienste mit der Beendigungen der pandemie-bedingten Reiseeinschränkungen wieder aufgenommen würden, sei jedoch nicht "automatisch der Fall".

Katalog an Forderungen

Aus den Missständen leitet Greenpeace eine Reihe von Forderungen an die EU ab. Vor allem müsse die "Bevorzugung des Flugverkehrs gegenüber dem Bahnverkehr endlich aufhören". Die Umweltorganisation plädiert für ein Verbot von Kurzstreckenflügen, wenn es für eine entsprechende Strecke eine attraktive Zugalternative gebe. Außerdem sollten wenig genutzte Zugstrecken "aktiviert" und "wiederbelebt" werden, die Mittel für ein besseres Eisenbahnsystem gehörten aufgestockt und Reisen mit der Bahn müsse "billiger und einfacher gemacht werden".

Was passieren würde, wenn die Politik nicht in diesem Sinne handeln würde, formuliert Greenpeace mit klaren Worten: "Wenn die Weichen für eine umfassende Revitalisierung des Bahnverkehrs nicht jetzt gestellt werden, ist der Klimacrash vorprogrammiert."

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