Grenfell-Tower-Katastrophe überschattet Parade zum 91. Geburtstag der Queen

Die Brandkatastrophe am Londoner Grenfell Tower hat die Parade zum 91. Geburtstag von Queen Elizabeth II. überschattet. Die Monarchin sprach von einer "sehr düsteren nationalen Stimmung" über dem Land. Die Zahl der Toten erhöhte sich auf 58

Die Brandkatastrophe am Londoner Grenfell Tower hat die Parade zum 91. Geburtstag von Queen Elizabeth II. überschattet. Die Monarchin und ihr Ehemann, Prinz Philip, gedachten am Samstag im Innenhof des Buckingham-Palastes in einer Schweigeminute der Todesopfer des Brandes, deren Zahl sich inzwischen auf 58 erhöhte. Die Queen sprach am Wochenende von einer "sehr düsteren nationalen Stimmung", die über dem Land liege.

Die bestätigte Opferzahl liege zwar weiterhin bei 30 Toten, sagte Stuart Cundy von Scotland Yard. Nach jüngsten Erkenntnissen würden aber insgesamt 58 Menschen seit der Brandnacht vermisst. "Leider muss ich davon ausgehen, dass sie tot sind." Diese Zahl könne sich noch erhöhen.

Der Brand im Grenfell Tower im Westen Londons war in der Nacht zum Mittwoch ausgebrochen und hatte sich über die Fassade rasend schnell ausgebreitet. Viele Bewohner wurden im Schlaf überrascht. Die Rettungskräfte rechnen nicht damit, in dem ausgebrannten Hochhaus noch Überlebende zu finden.

Unter den Toten sind auch sieben Marokkaner, wie das Außenministerium in Rabat mitteilte. Zuvor waren bereits ein syrischer Flüchtling und eine britische Fotografin als erste Opfer des Brandes identifiziert worden. Die Polizei warnte jedoch, dass manche Leichen möglicherweise nie identifiziert werden könnten. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden waren am Wochenende noch 19 Verletzte zur Behandlung im Krankenhaus, zehn von ihnen schwebten in Lebensgefahr.

Premierministerin Theresa May empfing am Samstag verletzte Bewohner des zerstörten Grenfell Tower, freiwillige Helfer und Vertreter der Gemeinde in ihrem Amtssitz in Downing Street. Ein Sprecher der Gruppe sagte, bei dem zweieinhalbstündigen Treffen seien der Regierungschefin die Forderungen der Betroffenen überbracht worden. In der Nähe des Regierungssitzes verlangten Demonstranten währenddessen "Gerechtigkeit für Grenfell".

May hatte Kritik einstecken müssen, weil sie am Donnerstag bei ihrem Besuch am Hochhaus keine Anwohner getroffen hatte. Erst am Freitag suchte sie Verletzte in Krankenhäusern auf. Der Groll der Anwohner und der Hinterbliebenen richtet sich auch gegen die örtlichen Behörden, denen vorgeworfen wird, auf Missstände in dem Hochhaus nicht reagiert zu haben.

Die Ursache für den Brand ist noch unklar. Vermutet wird, dass das Unglück mit der Fassadenverkleidung zusammenhängen könnte, die erst im vergangenen Jahr im Zuge von Renovierungsarbeiten an dem 24-stöckigen Gebäudes angebracht wurde.

Nach der "Abfolge schrecklicher Tragödien" in den vergangenen Monaten - neben dem Brand des Grenfell Tower wurde Großbritannien von drei islamistischen Anschlägen erschüttert - müssten die Briten sich auf ihre Geschichte besinnen, sagte die Queen am Samstag. "Wenn das Vereinigte Königreich auf die Probe gestellt wird, zeigt es sich entschlossen angesichts des Unglücks."

Der Geburtstag von Königin Elizabeth II. ist eigentlich der 21. April. Nach einer langen Tradition wird das Ereignis aber bei der Parade "Trooping the Colour" gefeiert.

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