Thunberg sagt Teilnahme an UN-Klimagipfel wegen ungleicher Impfstoff-Verteilung ab

Marc PRÉEL
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Greta Thunberg

Die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg will wegen der ungerechten Verteilung von Corona-Impfstoffen zwischen armen und reichen Ländern der UN-Klimakonferenz im November fernbleiben. "Angesichts der extrem ungleichen Verteilung des Impfstoffs werde ich nicht an der Konferenz COP26 teilnehmen, wenn die Entwicklung so weitergeht wie bisher", sagte Thunberg in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP in Stockholm.

Die 18-Jährige bestätigte ihre Forderung nach einer Verschiebung der Konferenz, über die zuerst die BBC berichtet hatte. Die Benachteiligung ärmerer Staaten bei der Impfstoffversorgung bedeute, dass die Länder nicht zu gleichen Bedingungen an dem Klimagipfel in Glasgow teilnehmen könnten.

"Natürlich würde ich gerne an der COP26 teilnehmen, aber nur, wenn alle unter gleichen Voraussetzungen teilnehmen können", sagte Thunberg. Dass im November in reichen Ländern voraussichtlich schon junge, gesunde Menschen Impfungen erhalten würden, gehe "sehr oft auf Kosten von Menschen in Risikogruppen in anderen Teilen der Welt".

Weltweit wurden bisher einer AFP-Zählung zufolge mehr als 700 Millionen Impfdosen verabreicht. Die Menschen in den ärmeren Länder erhielten davon allerdings nur 0,1 Prozent. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus nannte die ungleiche Verteilung "nicht nur einen moralischen Skandal", sondern warnte davor, dass sie "auch wirtschaftlich und epidemiologisch selbstzerstörerisch" sei.

Die UN-Klimakonferenz COP26 war wegen der Corona-Pandemie um ein Jahr verschoben worden. Sie soll im November in Glasgow stattfinden. Sollte sich an der Verteilung von Impfstoffen bis dahin etwas geändert haben, werde sie ihre Entscheidung bezüglich einer Teilnahme überdenken, kündigte Thunberg an.

Bei der Mammut-Tagung mit zahlreichen Staats- und Regierungschefs sollen die Staaten des Pariser Abkommens von 2015 ihre neuen Klimaschutzzusagen vorlegen. In dem Klimaschutzabkommen hatten die Unterzeichner vereinbart, die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen.

Die Ziele sind jedoch nicht bindend, die Umsetzung bleibt jedem Land selbst überlassen. Der Kohlenstoffausstoß wächst weiterhin jedes Jahr, auch weil die weltweite Energienachfrage weiter steigt.

Thunberg hatte sich am 20. August 2018 zum ersten Mal allein vor das schwedische Parlament gestellt, um für mehr Klimaschutz zu streiken. Seitdem hat die junge Frau mit dem Schild "Schulstreik fürs Klima" weltweit eine Bewegung junger Menschen für mehr Klimaschutz angestoßen. Die Schwedin schaffte es in den vergangenen Jahren, Millionen Menschen in der ganzen Welt für Klimaschutz zu begeistern.

fwe/cp