Tausende Griechen demonstrieren gegen Gläubiger

In Griechenland haben am Abend rund 17.000 Menschen für ein "Nein" beim Referendum über die Vorschläge der Geldgeber demonstriert. "Nein zur Erpressung der Troika", "Nein zu den Memoranden" und "Unsere Leben gehören nicht den Gläubigern", hieß es auf Transparenten auf dem Syntagma-Platz vor dem Parlament in Athen. Zuvor hatte die Regierung den Geldverkehr drastisch eingeschränkt: Banken bleiben eine Woche geschlossen, Bürger dürfen nur noch 60 Euro pro Tag abheben. EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker ermunterte die Griechen zu einem Ja bei der Abstimmung.

Nach Angaben der Polizei waren es 13.000 Demonstranten in Athen. Auch in der nördlichen Großstadt Thessaloniki gingen demnach 4000 Menschen auf die Straße, die meisten davon Anhänger der linken Regierungspartei Syriza.

Auf anderen Transparenten in Athen wurden auf Englisch Haftstrafen für die Eurobanker gefordert und zum Zusammenhalt der Völker Europas aufgerufen. "Die Schulden sind nicht tragbar, das griechische Volk hat viele Opfer gebracht", sagte Vanguelis Tseres, der arbeitslos ist, seitdem er 2010 sein Verlagshaus schließen musste. "Was mich interessiert, ist nicht der Euro, sondern künftigen Generationen die Möglichkeit zu sichern, ein Leben in Würde zu führen." Die Lehrerin Eleni Georgouli sagte, die meisten Demonstranten seien für den Euro, aber "nicht um jeden Preis".

Ministerpräsident Alexis Tsipras will die Griechen am kommenden Sonntag über die jüngsten Vorschläge der internationalen Geldgeber im Schuldenstreit abstimmen lassen. Er selbst rief das Volk dazu auf, mit "Nein" zu stimmen. Nach der Ankündigung des Referendums brach die Eurogruppe die Verhandlungen ab. De facto gelten die Vorschläge, über die Tsipras abstimmen will, damit nicht mehr. Am Dienstag läuft das aktuelle Hilfsprogramm aus, zugleich steht eine Kreditrückzahlung in Höhe von 1,5 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) an.

Die Banken bleiben bis Montag kommender Woche geschlossen, auch die Börse in Athen öffnet vorerst nicht. Griechen können an Geldautomaten nur noch 60 Euro täglich abheben, für Touristen mit ausländischen Kreditkarten gilt dieses Limit jedoch nicht. Allerdings sind viele Geldautomaten wegen des schon seit Tagen anhaltenden Ansturms bereits leer.

In einer Fernsehansprache versicherte Regierungschef Alexis Tsipras, die Ersparnisse, Löhne und Renten der Griechen seien "absolut garantiert". Der Eurogruppe warf der linksgerichtete Regierungschef erneut den Versuch vor, "das griechische Volk zu erpressen".

Ein Nein wäre auch ein "Nein zu Europa", sagte Juncker in Brüssel. Er machte auch aus seinem Ärger über Athen keinen Hehl und sagte, er fühle sich von der griechischen Regierung "verraten". Das Angebot der Gläubiger sei "fair" gewesen und kein "dummes Sparpaket".

Die Ratingagentur Standard & Poor's stufte die Kreditwürdigkeit Griechenlands nach der Ankündigung eines Referendums von CCC zu CCC- herab. Die US-Agentur erklärte, sie werte die Ankündigung des Referendums als "weiteren Hinweis, dass die Regierung Tsipras der Innenpolitik Priorität vor der finanziellen und wirtschaftlichen Stabilität, kommerziellen Schuldzahlungen und der Mitgliedschaft in der Eurozone geben wird".

In Europas Hauptstädten ist der Optimismus, dass es auf den letzten Metern doch noch eine Einigung geben könnte, jedoch noch nicht verflogen. Frankreichs Präsident François Hollande erklärte nach einem Telefonat mit US-Präsident Barack Obama, beide wollten sich für eine Wiederaufnahme der Verhandlungen einsetzen, um "so schnell wie möglich zu einer Lösung zu gelangen". Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem erklärte ebenfalls, für Griechenland bleibe die "Tür weiter offen". Auch sei es noch möglich, einen Austritt des Landes aus dem Euro zu verhindern.

Das EU-Parlament forderte ebenfalls eine Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen Athen und seinen Gläubigern. Bereits am vergangenen Freitag seien beide Seiten "sehr nah an einem Kompromiss" gewesen, erklärte Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD). Irland, das selbst mit internationalen Hilfskrediten gerettet werden und dafür schmerzhafte Reformen umsetzen musste, forderte Griechenland ebenfalls dazu auf, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

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