Türkische Waldbrände bedrohen Kohlekraftwerk

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Angesichts der weiter wütenden Waldbrände in der Türkei hat die Küstenwache hunderte Dorfbewohner aus der Nähe eines von den Flammen bedrohten Kohlekraftwerks in Sicherheit gebracht. Im benachbarten Griechenland kämpften Löschtrupps am Donnerstag weiter gegen einen Waldbrand in der Nähe der antiken Stätte von Olympia.

Hunderte Dorfbewohner aus der Umgebung des türkischen Kraftwerks Kemerkoy an der Ägäisküste wurden in der Nacht zum Donnerstag mit Booten der Küstenwache oder über die Straßen in Sicherheit gebracht. In der Eile konnten sie nur wenige Habseligkeiten oder ihre Haustiere mitnehmen. Es bestehe die Gefahr, dass die Flammen auf tausende Tonnen Kohle im Inneren der Anlage übergreifen könnten, sagte der örtliche Behördenvertreter Osman Gurun.

Etliche Anwohner weigerten sich dennoch, ihre Häuser zu verlassen. "Wo sollen wir denn hingehen in unserem Alter?", fragte der 79-jährige Hulusi Kinic im Hafen von Oren. "Wir leben hier. Hier ist unser Zuhause."

Im Westen Griechenlands kämpften Löschtrupps derweil weiter gegen die Flammen, um die antike Stätte von Olympia zu schützen. Zwei Einwohner des nahe gelegenen Dorfes Alt-Olympia und zwei Feuerwehrleute wurden laut griechischen Medienberichten leicht verletzt. Rund 20 Häuser in der Region fielen den Flammen zum Opfer. Das Dorf und weitere 18 Orte in der Umgebung sowie eine Ferienanlage wurden geräumt.

"Wenn einige Leute noch immer fragen, ob der Klimawandel Wirklichkeit ist, sollen sie hierherkommen", sagte Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis am Donnerstag bei einem Besuch vor Ort. Mehr als 170 Feuerwehrleute waren unterstützt durch Löschflugzeuge und -Hubschrauber im Einsatz. Vize-Katastrophenschutzminister Nikos Hardalias sprach von einem "Kampf gegen Titanen".

Auf der Insel Euböa im Osten Griechenlands war ein am Dienstag ausgebrochenes Feuer derweil weiter außer Kontrolle. Dutzende Feuerwehrleute waren im Einsatz, rund 500 Soldaten sowie rund 40 Löschflugzeuge und -Hubschrauber sollten am Donnerstag zu ihrer Unterstützung entsandt werden. Hunderte Häuser und mehr als 25.000 Hektar Kiefernwald sind den Flammen bereits zum Opfer gefallen. Dichter Rauch behinderte am Donnerstag die Löschflüge.

"Wir müssen an allen Fronten kämpfen. Die Bedingungen sind sehr schwierig, sehr ungewöhnlich", sagte der griechische Katastrophenschutzminister Michalis Chrisochoidis dem Sender ERT über die zahlreichen Waldbrände im Land. Regierungschef Mitsotakis sprach von der "schlimmsten Hitzewelle" seit mehr als 30 Jahren.

Sowohl in Griechenland als auch in der Türkei sind die Behörden in die Kritik geraten, nicht entschlossen genug auf die verheerenden Brände zu reagieren.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ging zum Gegenangriff über und kritisierte in einem Interview die Opposition: "Wenn es Brände in den USA oder Russland gibt, steht (die Opposition) hinter der Regierung, das ist hier nicht so." Die Staatsanwaltschaft Ankara nahm nach eigenen Angaben Ermittlungen wegen Beiträgen in Online-Netzwerken auf, unter anderem wegen "Beleidigung der türkischen Regierung" sowie "Schürens von Angst und Unruhe".

gt/cp

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