Großbritannien in der Corona-Krise: Hiergeblieben!

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Viele Briten sind geimpft – trotzdem sind die Reisebeschränkungen hart. Manche vermuten, dass die Regierung von Boris Johnson damit den heimischen Tourismus stärken will.

Urlaub an der Algarve: Auch Portugal ist für britische Reisende kein "grünes Land" mehr. © Patricia de Melo Moreira/​AFP/​Getty Images
Urlaub an der Algarve: Auch Portugal ist für britische Reisende kein "grünes Land" mehr. © Patricia de Melo Moreira/​AFP/​Getty Images

In diesem Sommer wird es für viele Britinnen und Briten wohl nichts mit einer Reise in die Sonne. Am Dienstag entfernte die britische Regierung das beliebte Ferienziel Portugal von der Liste der so genannten grünen Urlaubsländer. Denn seit einigen Tagen gilt das Land plötzlich doch wieder als Corona-Risikogebiet.

Seit Mitte Mai regelt in Großbritannien ein Ampelsystem, in welche Länder Reisende fliegen dürfen, ohne nach der Rückkehr in Quarantäne gehen zu müssen. Wer in ein grünes Land besucht, darf nach der Rückreise sofort wieder ins Büro. Wer aus einem orangefarbigen Land einreist, muss zehn Tage zu Hause in Quarantäne. Wer aus einem roten Land wie Indien kommt, muss diese Zeit sogar auf eigene Kosten im Hotel verbringen.

Da die meisten Urlauberinnen und Urlauber nach ihrem Portugalaufenthalt wieder arbeiten müssen, waren Tausende von Familien deshalb gezwungen, ihre Ferien in Portugal abzubrechen und innerhalb weniger Tage nach Großbritannien zurückzufliegen. In Europa bleibt jetzt – abgesehen von Gibraltar – nur das kühle Island auf der grünen Liste. Ausgerechnet. Und das nach dem kältesten Mai seit 25 Jahren.

Was bei diesen harten Reisebeschränkungen offenbar überhaupt keine Rolle spielt: Dass in Großbritannien mittlerweile 53 Prozent der britischen erwachsenen Bevölkerung vollständig geimpft sind. Und dass sogar schon 75 Prozent immerhin ihre erste Impfung erhalten haben. Die Mitte Mai von der Regierung versprochene Reisefreiheit gibt es weiterhin nicht.

"Es ist unsäglich, Portugal erst auf die grüne Liste zu setzen und drei Wochen später allen Reisenden zu sagen, sie sollen sofort wieder zurückkommen", schimpften Familien, die am Dienstagmorgen übermüdet in London Gatwick landeten. Das ganze Wochenende hätten sie in Faro verzweifelt nach Sonderflügen suchen und draufzahlen müssen, erzählen sie.

Henrique Barros vom portugiesischen Gesundheitsministerium sagte in einem Fernsehinterview, die Entscheidung der britischen Regierung sei eine Überreaktion. Die Inzidenz in Portugal sei im Moment sogar niedriger als die von Großbritannien, vor allem in den Feriengebieten in Südportugal an der Küste.

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