Großbritannien verschärft Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus

1 / 2
Premierminister Johnson (M.)und Finanzminister Sunak (l.)

Die britische Regierung hat ihre Maßnahmen im Kampf gegen das neuartige Coronavirus drastisch verschärft. Angesichts der Aufforderung der Regierung, auf "nicht zwingende" Sozialkontakte zu verzichten, ließen zahlreiche Unternehmen ihre Mitarbeiter am Dienstag von zu Hause aus arbeiten. Das Außenministerium rief die Briten auch zum Verzicht auf Auslandsreisen auf. Zugleich kündigte Finanzminister Rishi Sunak Hilfen für Unternehmen in dreistelliger Milliardenhöhe an.

Briten auf dem Weg ins Ausland müssten mit zahlreichen Einreisebeschränkungen und Ausgangssperren an ihren Zielorten rechnen, erklärte Außenminister Dominic Raab. "Ich habe mich deshalb entschieden, allen britischen Staatsbürgern von allen nicht zwingenden internationalen Reisen abzuraten." Die Anweisungen gelten zunächst für 30 Tage.

Der staatliche Gesundheitsdienst NHS kündigte an, alle nicht dringenden Operationen ab dem 15. April für mindestens drei Monate auszusetzen. Ziel sei es, 30.000 Krankenhaus-Betten freizumachen.

Beobachter erwarten, dass die Regierung in den kommenden Tagen weitere Einschränkungen des Alltags verkünden wird. Dazu könnte auch eine dreimonatige Ausgangssperre für Menschen mit schweren Vorerkrankungen zählen.

Finanzminister Sunak kündigte ein Nothilfepaket im Umfang von 330 Milliarden Pfund (363 Milliarden Euro) für britische Unternehmen an. Alle, die "Zugang zu Bargeld" benötigen, erhielten diesen auch, sagte er. Die konservative Regierung unter Premierminister Boris Johnson sei zudem bereit, wenn nötig auch über diese Ankündigungen hinaus zu gehen.

Der japanische Autobauer Nissan kündigte unterdessen an, die Produktion in seiner Fabrik in Sunderland einzustellen.

An den zunächst vergleichsweise lockeren Maßnahmen von Premierminister Johnson zur Eindämmung des Coronavirus hatte es massive Kritik gegeben. So hatte der Premier noch am Montag etwa erklärt, auf Versammlungsverbote oder Schulschließungen wie in anderen Ländern verzichten zu wollen.

Nach Warnungen von Wissenschaftlern, wonach bei einer zu laxen Reaktion auf die Pandemie hunderttausende Menschen in Großbritannien und den USA an den Folgen einer Coronavirus-Infektion sterben könnten, zeichnete sich jedoch ein Kurswechsel der Regierung ab.

Die 30 Mitglieder eines Krisenreaktionsteams des Imperial College London forderten in einem wissenschaftlichen Artikel ein "intensives" Programm zur Eindämmung des Virus. Konkret schlugen sie "eine Kombination aus sozialer Distanzierung der gesamten Bevölkerung, häuslicher Isolation Infizierter und häuslicher Quarantäne ihrer Familienmitglieder" vor. Die Maßnahmen sollten laut den Forschern so lange andauern, bis ein Impfstoff verfügbar sei. Dies könne "möglicherweise 18 Monate oder länger" dauern.

In Großbritannien gibt es derzeit 1950 bestätigte Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus, 69 Menschen starben. Der Chefberater der Regierung, Patrick Vallance, geht davon aus, dass rund 55.000 Briten infiziert sein könnten.