Große Industriestaaten wollen aus klimaschädlicher Kohleverstromung aussteigen

Unter dem Eindruck der Klima- und der Energiekrise wollen die sieben großen westlichen Industrieländer (G7) den Ausstieg aus klimaschädlichen fossilen Brennstoffen vorantreiben. Die Energie-, Klima- und Umweltminister der G7-Gruppe einigten sich bei ihrem Treffen in Berlin am Freitag auf ein Bekenntnis zur Beendigung der Kohleverstromung. Ein konkretes Enddatum nannten sie jedoch nicht. Auch im Straßenverkehr soll künftig weniger CO2 entstehen - durch den Einsatz emissionsfreier Fahrzeuge.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) bezeichnete die Berliner Beschlüsse als "starkes Signal für mehr Klimaschutz". Zugleich räumte er mit Blick auf die anhaltende Erderwärmung ein: "Was wir tun, ist zu wenig." Es gehe allenfalls um Schadensbegrenzung: "Dass wir die Fehler der Vergangenheit reparieren, ist vielleicht möglich. Dass wir sie ungeschehen machen, nicht." Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne), die Ko-Gastgeberin, wertete das G7-Treffen als "Erfolg für den Klimaschutz, den Naturschutz und den Umweltschutz".

Die Abschlusserklärung der G7 nennt einige Zieldaten zur Abkehr von der fossilen Energiegewinnung - sie bleibt jedoch in wichtigen Punkten vage. So heißt es in der Erklärung lediglich, dass die Stromversorgung bis 2035 "überwiegend" dekarbonisiert - also CO2-frei - gestaltet werden solle. Ein Zieldatum für das angestrebte Ende der klimaschädlichen Kohleverstromung fehlt aber.

Ähnlich verhält es sich mit den Beschlüssen zum Verkehrssektor. Dieser soll der Erklärung zufolge bis 2030 "in hohem Maße" dekarbonisiert werden - unter anderem durch eine "bedeutsame" Erhöhung des Anteils emissionsfreier Fahrzeuge. Die G7 verpflichten sich in der Erklärung zudem in allgemeiner Art, "ihre Klimaambitionen zu steigern".

Habeck sprach von "enormen Fortschritten" - insbesondere, weil sich die G7-Gruppe erstmals auf das gemeinsame Ziel des Ausstiegs aus der Kohleverstromung verständigt habe. "Die Konferenz hatte einen gemeinsamen Feind, das war der Status quo", sagte er.

Im Energiebereich fassten die G7 eine Reihe weiterer Beschlüsse. Sie verpflichten sich in dem gemeinsamen Kommuniqué, die direkte internationale öffentliche Finanzierung fossiler Energieträger bis Ende 2022 zu beenden - hiergegen hatte sich bislang das G7-Land Japan gesperrt. Zudem bekräftigten die G7 ihre ihre Verpflichtung, "ineffiziente" fossile Subventionen bis 2025 zu beenden.

In der Frage, wie die einzelnen G7-Länder den Weg zu den gemeinsamen Zielen gestalten, wurden in Berlin Unterschiede deutlich. Japans Handelsminister Hiroyuki Hosoda etwa bekräftigte, dass sein Land "von fossiler Energie wegkommen" wolle - dafür sei für Japan aber "die Atomkraft sehr wichtig".

Der Präsident der UN-Klimakonferenz, Asok Sharma, lobte zum Abschluss des Ministertreffens die "Führungsrolle" der G7. Die Gruppe müsse ihre Klimaschutzziele aber nochmals verschärfen, sonst könne das 1,5-Grad-Ziel nicht erreicht werden.

Die fast 40 Seiten starke Abschlusserklärung enthält auch Vereinbarungen zum Umweltschutz. So beschlossen die G7 eine Selbstverpflichtung gegen die Plastikverschmutzung, noch bevor ein globales Abkommen verabschiedet wird. Sie forderten zudem, dass noch in diesem Jahr eine Weltnaturschutzkonferenz abgehalten werden müsse, die sich vor allem mit dem Artensterben befassen müsse.

An dem zweitägigen Treffen in Berlin nahmen die Energie-, Klima- und Umweltminister der G7-Gruppe teil. Dieses Format war eine Premiere. Ziel der deutschen Gastgeber war es dabei, die Klimakrise und die Energiekrise zusammen zu behandeln.

Die diversen Krisen seien "auf das Engste miteinander verbunden", sagte Ministerin Lemke zum Abschluss. "Die Lösungen hängen zusammen."

Umweltverbände äußerten sich überwiegend positiv zu den Ergebnissen. Greenpeace sprach von einem "wichtigen Schritt in Richtung des globalen Klimaschutzes". Germanwatch lobte die "erfreulich klare Antwort auf die durch den russischen Angriffskrieg ausgelöste Energiekrise". Die Gruppierung Compact gab zu bedenken: "Die Richtung bei den G7 stimmt, das Tempo nicht."

pw/mt

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