Großes Polizeiaufgebot bei erneuten Demonstrationen in Algerien

Demonstration in Algiers mit massivem Polizeiaufgebot

Den 24. Freitag infolge hat es in Algerien Massendemonstrationen für einen politischen Wandel gegeben. Begleitet von einem massiven Polizeiaufgebot riefen die Demonstranten im Zentrum der Hauptstadt Algier erstmals zu "zivilem Ungehorsam" gegen die Übergangsregierung auf. Am Vormittag wurden etwa zehn Menschen aus unbekannten Gründen festgenommen, wie ein AFP-Reporter berichtete.

Was im Februar als Protest gegen den inzwischen gestürzten Präsidenten Abdelaziz Bouteflika begann, ist mittlerweile zu einer Bewegung gegen die gesamte algerische Führungselite geworden. Die Demonstranten verlangen den Rücktritt von Übergangsstaatschef Abdelkader Bensalah sowie des mächtigen Armeechefs Ahmed Gaïd Salah.

Salah hatte am Dienstag "kategorisch" Vorbedingungen der "Hirak" genannten Protestbewegung für mögliche Gespräche abgelehnt. Die Demonstranten hatten unter anderem die Aufhebung von Polizeisperrungen um Algier gefordert sowie die Freilassung aller im Zusammenhang mit den Protesten Festgenommenen.

Die Demonstranten riefen am Freitag Slogans wie "Hier kommt der zivile Ungehorsam" oder "Keinen Dialog mit der Gang". Als Gang bezeichnen sie die aktuellen Machthaber.

Die Proteste hatten sich im Februar an einer erneuten Kandidatur Bouteflikas für die ursprünglich für den 18. April angesetzte Präsidentschaftswahl entzündet. Der 82-Jährige zog angesichts der landesweiten Massenkundgebungen zunächst seine Kandidatur zurück und dankte schließlich ab.

Die im Anschluss auf den 4. Juli verschobene Präsidentschaftswahl war Anfang Juni erneut abgesagt worden. Bensalahs verfassungsgemäße Amtszeit war Anfang Juli abgelaufen. Dennoch setzte er einen Rat von sechs Vermittlern ein, die den Weg zu Präsidentschaftswahlen aufzeigen sollen.

Die Demonstranten lehnen diese Vermittlung jedoch ab und wollen, dass die künftige Präsidentschaftswahl ohne jede Beteiligung von Bensalah und General Gaïd Salah abgehalten wird. Offizielle Angaben zur Zahl der Kundgebungsteilnehmer lagen am Freitag nicht vor. Jedoch war die Beteiligung schwächer, als zu Beginn der Protestbewegung.