Guaidó-Anhänger besetzen vorübergehend venezolanische Botschaft in Brasília

Einsatzkräfte vor der venezolanischen Botschaft

Anhänger des venezolanischen Oppositionsführers Juan Guaidó haben am Mittwoch vorübergehend einen Teil der venezolanischen Botschaft in der brasilianischen Hauptstadt Brasília besetzt. Laut der vom selbsternannten Übergangspräsidenten Guaidó eingesetzten Botschafterin María Teresa Belandria drangen sie am Morgen auf das Gelände vor. Die brasilianische Militärpolizei umstellte das Gebäude. Nach rund 13 Stunden zogen sich die Besatzer schließlich wieder zurück.

Belandria erklärte, Mitarbeiter der Botschaft hätten sich zu Guaidó bekannt, die Türen geöffnet und "die diplomatische Mission freiwillig an die legitim aufgestellte Vertretung in Brasilien übergeben".

Die Guaidó-Anhänger standen allerdings Botschaftsmitarbeitern gegenüber, die dem venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro die Treue halten. "Die beiden Gruppen sind drinnen und versuchen, eine friedliche Lösung zu finden", sagte ein Sprecher der Militärpolizei vor der Botschaft. Die 14 Unterstützer Guaidós zogen sich am Abend schließlich wieder zurück.

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hatte zuvor erklärt, er habe Maßnahmen ergriffen, um "die Ordnung in der Botschaft wiederherzustellen". Der rechtsradikale Staatschef zählt zu den Unterstützern Guaidós. Er habe dessen Anhänger aber in keiner Weise zur Besetzung der Botschaft ermutigt, betonte Bolsonaro.

Die Regierung des linksgerichteten Maduro verurteilte die Vorgänge scharf. "Das Gelände unserer Botschaft wurde heute Morgen gewaltsam überfallen", schrieb der venezolanische Außenminister Jorge Arreaza im Kurzbotschaftendienst Twitter. Rund 200 linksgerichtete Demonstranten, unter ihnen zahlreiche Anhänger der Arbeiterpartei PT, feierten später vor der Botschaft das Ende der Besetzung.

Guaidó liefert sich seit Monaten einen Machtkampf mit Maduro. Im Januar hatte er sich zum Übergangspräsidenten erklärt. Der Oppositionspolitiker wird von mehr als 50 Staaten als Staatschef anerkannt, unter ihnen Brasilien und Deutschland.

Die Vorgänge in der venezolanischen Botschaft ereigneten sich kurz vor dem Gipfeltreffen der Brics-Staaten ab Donnerstag in Brasília; die wichtigen Schwellenländer vertreten hinsichtlich der politischen und wirtschaftlichen Krise in Venezuela gegensätzliche Positionen. Während Bolsonaro als einziger Vertreter der Brics-Staat Guaidó unterstützt, stehen Russland und China auf der Seite von Maduro.