Gute Zahlen trotz gelockerter Corona-Einschränkungen: Das "Wunder von Madrid"

Christian Bernhard
·Freier Autor
·Lesedauer: 2 Min.

In ganz Europa bescheren hohe Corona-Infektionszahlen der Bevölkerung und Politik Sorgen. Ein Lichtblick kommt aus Madrid. Dort waren die Corona-Zahlen im September äußerst besorgniserregend, doch jetzt gehen sie zurück, obwohl Restaurants und Geschäfte geöffnet sind. Woran liegt das?

Spanish chef Paco Roncero puts dishes on a tray in his restaurant at the Casino of Madrid in the Spanish capital on November 13, 2020. - Spain has been one of the countries worst affected by the coronavirus pandemic and while its tourism-dependent economy generally did better in the third quarter, a resurgence in cases has led to new restrictions which many fear will once again hit business hard. (Photo by Gabriel BOUYS / AFP) (Photo by GABRIEL BOUYS/AFP via Getty Images)
In Madrid dürfen Restaurants und Geschäfte geöffnet haben. (Bild: GABRIEL BOUYS/AFP via Getty Images)

In der spanischen Hauptstadt spielen sich dieser Tage Szenen ab, die in Zeiten von Corona für Aufsehen sorgen. Die Restaurants und Bars sind geöffnet und sehr gut besucht – und dennoch sinken die Corona-Neuinfektionen rapide. Spanische Medien sprechen bereits vom “Wunder von Madrid”. Wie ist das möglich?

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Die Millionen-Stadt hat einen ungewöhnlichen Corona-Weg eingeschlagen. Anders als in vielen Teilen Spaniens und dem Rest Europas wurde das öffentliche Leben trotz sehr hoher Infektionszahlen nur wenig eingeschränkt. Lokale und Geschäfte sind geöffnet, verboten sind nur Treffen, an denen mehr als sechs Personen beteiligt sind. Um Mitternacht müssen Bars und Restaurants schließen. Durchgesetzt hat diese Bestimmungen Regionalpräsidentin Isabel Diaz Ayuso – und zwar gegen den Rat von Experten.

Mehrere Gründe sind dafür verantwortlich

Und sie scheinen zu wirken: Statt einer 14-Tage-Inzidenz von 813 Infektionen pro 100.000 Einwohner Ende September, betrug diese Zahl zuletzt “nur” noch 328. Aktuelle Madrid-Werte sind derzeit im Vergleich besser als jene Bayerns oder Berlins.

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Das dürfte mehrere Gründe haben. Untersuchungen legen nahe, dass in einigen Bevölkerungsgruppen womöglich eine Teilimmunität erreicht worden ist. Zudem haben die Menschen Madrids nach dem Alarmzustand wohl ihr Verhalten geändert und sind vorsichtiger geworden.

PCR-Tests wurden stark reduziert

Doch es gibt auch Skepsis unter Experten. Das hat vor allem damit zu tun, dass die PCR-Tests in Madrid um zwei Drittel in den letzten Wochen gekürzt und durch Antigentests ersetzt wurden. Diese können zwar Infektionsketten durchbrechen, da sie Rückschlüsse zur Infektiosität geben, können aber auch asymptomatische Corona-Fälle übersehen.

Auch in Madrid ist demnach weiterhin Vorsicht und verantwortungsvolles Handeln aller Bevölkerungsgruppen gefragt.

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