Geiselnahme in französischem Gefängnis geht glimpflich aus

Polizei vor dem Gefängnis von Condé-sur-Sarthe

Drei Monate nach der Messerattacke eines Islamisten in einem Hochsicherheitsgefängnis in der nordfranzösischen Normandie ist eine Geiselnahme in der Haftanstalt glimpflich ausgegangen. Ein Häftling, der im Gefängnis von Condé-sur-Sarthe zwischenzeitlich zwei Wärter in seine Gewalt gebracht hatte, gab in der Nacht zum Mittwoch nach knapp fünf Stunden auf. Seine Geiseln seien "unversehrt", teilten die Gefängnisbehörden mit.

Der Häftling hatte während des Abendessens einen männlichen Aufseher und eine Praktikantin mit einer selbst hergestellten Waffe überwältigt. Der Serienstraftäter, der unter psychischen Problemen leidet, soll bereits in der Vergangenheit mehrmals Geiseln genommen haben. Die Behörden schickten per Hubschrauber Polizisten der Spezialeinheit Raid in das Gefängnis nahe der Stadt Alençon.

Der Geiselnehmer ließ schließlich kurz vor Mitternacht zunächst den männlichen Wärter frei. Später ließ er auch die zweite Geisel gehen und gab auf.

Am Mittwochmorgen weigerten sich rund 50 Gefängnisaufseher der Haftanstalt in Condé-sur-Sarthe ihren Dienst anzutreten. Die Nachtschicht war noch in dem Gebäude, während die Kollegen draußen für bessere Arbeitsbedingungen demonstrierten. "Wir verlangen, mehr Gehör zu finden", sagte ein Gewerkschaftsmitglied. Der Geiselnehmer, der eine Strafe bis 2060 absitzt, habe Verhaltensauffälligkeiten gezeigt. Die Aufseher hätten die Verwaltung darüber informiert, dennoch sei der Mann weiter zu Hilfsdiensten wie der Essensausgabe oder dem Putzdienst eingeteilt worden.

Anfang März hatte ein inhaftierter Islamist in dem Gefängnis in Condé-sur-Sarthe unter "Allahu Akbar"-Rufen zwei Wachleute mit einem Messer schwer verletzt und sich dann mit seiner Lebensgefährtin in einem Zimmer verschanzt. Elite-Polizisten konnten die beiden nach einigen Stunden überwältigen, die Frau erlag ihren Schussverletzungen. Die französische Regierung stuft die Tat als terroristisch ein.