Höhere Beteiligung bei französischer Präsidentschaftswahl als erwartet

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Schlangestehen vor einem Wahllokal in Paris

Bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Frankreich hat sich eine höhere Beteiligung abgezeichnet als erwartet. Bis 17.00 Uhr gaben rund 69,4 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Das war laut Innenministerium in Paris einer der höchsten Zwischenstände seit 43 Jahren. Wegen der Terrorgefahr findet die Abstimmung unter einem beispiellosen Sicherheitsaufgebot statt. Die Wahl gilt als richtungsweisend für die künftige Europapolitik Frankreichs.

Die beiden Favoriten stehen hierbei für völlig entgegengesetzte Modelle: Ex-Wirtschaftsminister Emmanuel Macron will die EU und die Eurozone vertiefen und die partnerschaftlichen Beziehungen zu Deutschland ausbauen. Seine chancenreichste Konkurrentin, die Rechtspopulistin Marine Le Pen, wirbt dagegen für einen "Frexit", also einen EU-Austritt, und die Rückkehr zum Franc.

In die Stichwahl der beiden Bestplatzierten am 7. Mai könnten aber womöglich auch der Konservative François Fillon und der Linkspartei-Gründer Jean-Luc Mélenchon einziehen. Den regierenden Sozialisten von Staatschef François Hollande droht hingegen ein Debakel: Ihr Kandidat, der Parteilinke Benoît Hamon, rutschte zuletzt in Umfragen auf deutlich unter zehn Prozent ab und würde damit abgeschlagen auf dem fünften Platz landen.

Alle der insgesamt elf Präsidentschaftskandidaten gaben bis zum Nachmittag ihre Stimme ab. Macron wählte im nordfranzösischen Badeort Le Touquet, wo er und seine Frau Brigitte von begeisterten Anhängern empfangen wurden.

Le Pen gab ihre Stimme in der nordfranzösischen Stadt Hénin-Beaumont ab, wo ihre Partei Front National den Bürgermeister stellt. Dort demonstrierten Aktivistinnen der feministischen Gruppe Femen barbusig und mit Le-Pen-Masken gegen die Rechtspopulistin, wurden aber nach kurzer Zeit von Polizisten abgeführt.

Meinungsforschungsinstitute schätzten die Enthaltung auf insgesamt 19 bis 22 Prozent. Das wäre überraschend niedrig - viele Franzosen hatten sich bis zuletzt unentschlossen gezeigt. Bei der Wahl 2012 lag die Enthaltung bei 20,5 Prozent.

Vor vielen Wahllokalen bildeten sich lange Schlangen, unter anderem in Paris, aber auch vor französischen Auslandsvertretungen wie etwa in London. In Berlin gab es vor der Botschaft Wartezeiten von bis zu zwei Stunden.

Deutlich niedriger war die Beteiligung dagegen nordwestlich von Paris, in den Ardennen sowie im Département Sarthe nordwestlich der Hauptstadt, wo der Konservative Fillon seine Hochburg hat. Dort stimmten bis 17.00 Uhr rund 71 Prozent der Wähler ab, das waren sechs Prozentpunkte weniger als 2012.

Fillon hatte lange als Favorit für die Präsidentschaftswahl gegolten, ist aber seit Bekanntwerden einer Scheinbeschäftigungsaffäre in den Umfragen abgestürzt. Sollten er und der Sozialist Hamon es nicht in die zweite Wahlrunde schaffen, wäre das ein Denkzettel für die etablierten Parteien: Erstmals in der Geschichte der Fünften Republik wäre dann kein Kandidat aus dem Lager der Konservativen oder der Sozialisten in der Stichwahl vertreten.

Insgesamt sind fast 47 Millionen Staatsbürger zur Wahl aufgerufen. In einigen Überseegebieten wie etwa den Karibik-Inseln Guadeloupe und Martinique hatte die Wahl bereits am Samstag begonnen. Die letzten Wahllokale schließen um 20.00 Uhr. Danach werden erste Hochrechnungen erwartet.

Die Abstimmung findet angesichts der Terrorgefahr unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. Rund 50.000 Polizisten und Gendarmen sowie rund 7000 Soldaten sind im Einsatz. Erst am Donnerstag hatte ein mutmaßlicher Anhänger der Dschihadistenmiliz IS in Paris einen Polizisten erschossen und drei Menschen verletzt.

Es ist das erste Mal, dass eine Präsidentschaftswahl im Ausnahmezustand stattfindet. Dieser war nach den Attentaten vom 13. November 2015 in Paris mit 130 Todesopfern verhängt und immer wieder verlängert worden.

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