So war der "Höhle der Löwen"-Talk zur Corona-Krise

Ute Nardenbach

Nie war Business-Expertenwissen so gefragt wie jetzt: Die sieben Investoren aus der Startup-Show "Die Höhle der Löwen" gaben nun bei VOX Corona-Überlebenstipps für Gründer. Ein Panorama aus Katastrophenszenario und Optimismus.

Wie überstehe ich die Corona-Krise finanziell? Diese Frage stellen sich gerade sehr viele Menschen. Gründer und Unternehmer hatten nun bei VOX die Chance, die Business-Experten aus der "Höhle der Löwen" um Rat zu fragen. Alle sieben Investoren standen Rede und Antwort - wenngleich sie nur virtuell per Monitor in der "Höhle" anwesend waren. Beratung aus dem "Löwen"-Home-Office.

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Trotz Krise blieb Milliardär Maschmeyer ein Freund der Wortakrobatik. Die Politik müsse aufpassen, nun keinen "Arbeitslosigkeits- und Pleitevirus" zu kreieren, verkündete er. Unter dem Motto: "Medizinisch ist alles gut verlaufen. Aber der Patient ist danach verhungert!" Er warnte: "Sich jetzt kaputtzusparen, ist, wie aus Angst vor dem Tod, Selbstmord zu begehen!" Unternehmer sollten sich lieber auf das konzentrieren, was möglich ist. Vor allem: "Grenzenloses Denken für neue Geschäftsmodelle!" Außerdem wichtig: für Bestandskunden da sein. "Die Corona-Krise zerstört die Gegenwart. Passen Sie auf, dass sie nicht noch die Zukunft zerstört!"

Wie das gehen kann, erklärte Judith Williams Moderator Amiaz Habtu sowie Tanit Koch, Geschäftsführerin von ntv und Chefredakteurin der Zentralredaktion von RTL, die durch die Sendung führten: Man müsse alle Kreativität mobilisieren, um die Kunden zu erreichen. Sie selbst sei etwa mit einer Beratungssendung aus dem eigenen Badezimmer erfolgreich gewesen, verriet Williams. "Krisen sind immer schmerzhaft, aber extrem lehrreich für uns alle", sagte die Beauty-Expertin. Die richtigen Fragen seien in der jetzigen Zeit: Wie kann uns die Krise vorwärtsbringen? Wo haben wir noch Wachstumspotenziale?

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"Es ist die totale Katastrophe! Der Umsatz ist auf null."

Für manche geht es aber auch einfach nur ums Überleben. Dafür zeigte vor allem Dagmar Wöhrl Verständnis. Die Familienunternehmerin hat die Krise selbst schwer getroffen. "Es ist die totale Katastrophe!", erklärte sie. Ihre Kaufhäuser, Hotels und Restaurants sind derzeit allesamt geschlossen. "Der Umsatz ist auf null. Das kann auch nicht aufgeholt werden!" Das Schicksal der unzähligen Mitarbeiter mache ihr dabei vor allem zu schaffen. "Der Großteil ist in Kurzarbeit!"

Auch wenn ihr bewusst ist, dass 60 Prozent des Einkommens bei einigen einfach nicht ausreichen werden, sieht die ehemalige Bundestagsabgeordnete in Kurzarbeit ein wichtiges Modell. Denn dadurch ließen sich Entlassungswellen vermeiden. Ihr Rat an alle Arbeitgeber: Aufgrund des Fachkräftemangels sollten Firmen auf jeden Fall versuchen, ihre Mitarbeiter zu halten. Arbeitnehmern, die durch Kurzarbeit in finanzielle Bedrängnis kommen, empfahl Wöhrl Aufstocken durch Zusatzarbeit. Auf Portalen wie aushilfjobs.de seien noch einige Stellen zu finden.

Ethische Fragen in Zeiten von Corona

Gute Nachrichten gab es dagegen von Frank Thelen: Seiner "Food Family" geht es derzeit "besser denn je"! Denn die Nachfrage nach Lebensmitteln ist besonders groß. Daher werde bei Online-Shops aus der Branche gerade auch viel eingestellt. Sein Tipp an Programmierer, Entwickler, Designer und Co.: Sie sollten Agenturdienstleistungen für Unternehmen anbieten, denen es gerade gut geht - wie eben Firmen aus der Lebensmittel-Branche.

Auch bei Software-Unternehmer Mario läuft es derzeit gut. Er wollte von den "Löwen" wissen, ob es ethisch vertretbar sei, Werbung auf dem Rücken der Krise zu machen. Nils Glagau fand das nicht verwerflich: "Im Sommer wird auch mehr Sonnencreme verkauft! Du willst den Leuten doch etwas Gutes tun!" Ein schlechtes Gewissen solle Mario nicht haben.

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Apropos: Eine "ethische Frage" ist für Frank Thelen auch das Thema "Miete". Andreas aus Münster, der eine Snackbar eröffnet hat, soll nun 8.100 Euro Miete für sein Geschäft zahlen - bei null Einnahmen. Thelen gab zu bedenken: Es gibt zwar die Möglichkeit, Mieten zu stunden. Doch eine nicht gezahlte Miete treffe wiederum den Vermieter. "Man sollte immer darauf schauen, wo ist es nachvollziehbar und fair, die Miete nicht zu zahlen!" Thelen riet: "Sprich mit dem Vermieter! Man sollte nicht immer alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen." Schließlich ist allen an einer langfristigen Zusammenarbeit gelegen.

Denn ja: Es gibt eine Zeit nach Corona! "Man muss mutig nach vorne schauen!", ermunterte Handelsmogul Ralf Dümmel die Zuschauer. Dabei hat der gerade auch arge Probleme mit seinen Lieferketten in China. Sogar gründen solle man in der Krise. Da waren sich alle sieben "Löwen" einig. Nicht nur, weil es auch mit der "Höhle der Löwen" weitergehen muss ...

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