Dunja Hayali: "Hören wir alle mal auf zu jammern"

Jürgen Winzer

"Hören wir alle mal auf zu jammern, Vergangenheit zu verklären und uns gegenseitig anzugreifen!" - TV-Journalistin und Moderatorin Dunja Hayali hat sich mit einem Appell für mehr Verständnis und Verständigung zum "Mauerfall-Jubiläum" zu Wort gemeldet.

"Hören wir alle mal auf zu jammern, Vergangenheit zu verklären und uns gegenseitig anzugreifen, das wäre doch schon mal was." - Mit einem Appell für mehr Verständnis und Verständigung hat sich Dunja Hayali (54), TV-Journalistin und Moderatorin ("ZDF-Morgenmagazin"), jetzt einmal mehr per Facebook zu Wort gemeldet. Die Bürger Deutschlands sollten sich 30 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer hüten, den falschen Leuten zu folgen: "Diese Blender werden ganz schnell neue Zäune und Mauern bauen, wenn man sie nur ließe."

Mit ihrem nächsten viel beachteten Facebook-Post löste die Tochter des Ruhrpotts (sie ist in Datteln geboren) mit irakischen Wurzeln erneut kontroverse Diskussionen aus. Viele der Kommentare richten sich auf die Vergangenheit, die Wendezeit und deren Bewältigung. Also genau auf das. was Hayali in ihrem Beitrag als "müßig und ermüdend" beschreibt: den "ständigen Blick zurück, das Verweisen auf 'die Politik' und 'den Staat', der doch nun mal für absolute Gerechtigkeit sorgen müsse, damit eine Einheit entstehe".

Hayali: BRD und DDR - in beiden gab es gute Werte!

Auch Hayali erwähnt die Vergangenheit, bleibt aber vorwärtsgewandt. Sie ruft dazu auf, nicht "schlecht zu reden, wie der jeweils andere" in DDR und BRD lebte. "In beiden Systemen mussten die einzelnen Menschen ihren Weg finden. In beiden gab es gute Werte des Zusammenlebens und Lebensleistungen."

Wichtig sei, so die Preisträgerin der "Goldenen Kamera 2016" (Kategorie "Beste Information"), dass "unsere gemeinsame Chance" nach den Feierlichkeiten zu "30 Jahre Mauerfall" darin bestehen könne, "uns nicht gegenseitig Vergangenheiten vorzuwerfen, sondern den Blick nach vorne zu richten. Und gemeinsam etwas aus unserem Land machen, was sozial gerecht ist, in dem das Zusammenleben wertschätzend ist und Spaß macht."

Hayali sieht sich als "Frau, die im Pott geboren und sozialisiert wurde" und sehr wohl wisse, dass sich für Menschen aus dem Westen durch den Mauerfall nicht besonders viel geändert habe, "für die Bürger aus den östlichen Bundesländern aber fast alles." Sie ruft zu "mehr Zugewandtheit, Bewegung, Offenheit füreinander und gemeinsames Genießen und Weiterentwicklung einer Freiheit und Gemeinschaft" auf. Denn um diese würden die deutschen Bürger von vielen Menschen auf der Welt beneidet.

Dabei, so die TV-Journalistin und Moderatorin, könne jeder mithelfen und zum Vorbild werden, "anstatt denen hinterher zu laufen, die meinen, man müsse zurück in die Vergangenheit oder man solle 'aus Protest' Leute wählen, die sich offen gegen unsere freiheitlich demokratische Grundordnung stellen".