Ich habe jahrelang Vollzeit in meinem Van gelebt: Das waren die zehn schlimmsten Dinge dabei

 - Copyright: Karla Margeson
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Einen Van auszubauen, in ihm zu reisen und sogar nur in ihm zu leben – diese Dinge haben mein Leben komplett verändert. Vor nur sechs Jahren saß ich in einem Büro mit cremefarbenen Wänden unter Neonlicht und scrollte zwischen den Sitzungen durch meinen Instagram-Feed. Ich beneidete die Fotos: Gesund aussehende, kräftige junge Männer und Frauen an fernen, schönen Orten.

Sie standen triumphierend auf den Dächern ihrer Vans neben den Tetons, einer Gebirgskette in den Rocky Mountains, oder lagen im Bett und blickten durch die offenen Hecktüren auf die kalifornische Küste – das waren die Van-Lifers auf Instagram. Der Trend war in den letzten Jahren immer beliebter geworden und hat seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie einen regelrechten Höhenflug gestartet.

Jetzt, da ich an einem Campervan gebastelt habe, einen gebaut habe und in ihm auf Reisen gelebt habe, schaue ich gerne auf diese Erwartungen zurück. Ich war naiv. Das verrückte daran ist, dass jedes schöne Bild, das ihr auf Instagram seht, wahr ist. In all meinen Van-Jahren habe ich mehr Nächte unter der Milchstraße geschlafen, als ich zählen kann. Ich habe Weihnachten mit Freunden verbracht, die sich in Joshua-Tree-Nationalpark im Süden Kaliforniens trafen, um auf einen Felsen zu klettern. Morgenkaffees vor einem Bergpanorama wurden geradezu alltäglich.

Aber man muss wissen, dass das Bild, das Hashtags und soziale Medien zeichnen, bei weitem nicht vollständig ist. Hier sind einige der größten Nachteile des Van-Lebens, die niemand erwähnt.

Van-Life ist Camping

Die Menschen machen sich kaum Gedanken darüber, wie es wirklich ist, jeden Tag langweilige Camping-Routineaufgaben zu erledigen.

Auch wenn euer Fahrzeug noch so schön ist, kein Van funktioniert wie ein normales Zuhause. Aufgaben wie Kochen, Abwaschen, Saubermachen und Ordnung halten, sind allesamt etwas mühsamer, zeitaufwändiger und fühlen sich oft irgendwie nicht abgeschlossen an.

Alles ist immer dreckig

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Vergesst ‚Zurück zur Natur‘ – wenn ihr in einen Van zieht, kommt sie zu euch. Wenn ihr eine schöne, unbefestigte Straße entlangfahrt, wird danach alles, was ihr besitzt, mit Staub bedeckt sein. Und wenn ihr eine Nacht im Nadelwald verbringt, ist euer Van voll mit Tannennadeln. Und wenn es regnet (vor allem, wenn ihr einen Hund habt) ist alles voller Schlamm.

Ohne ein festes Zuhause als Basis, an dem ihr euren Van nach dem Trip grundreinigt, kann der Dreck mehr Stress auslösen, als ihr vielleicht denkt.

Das Wetter ist viel extremer

Wenn man die ganze Zeit draußen ist, kann sich das Wetter noch erdrückender anfühlen. An einem sonnigen Tag ist es in eurem Van schnell wie in einem Ofen. Bei einem Sturm und Minusgraden sind eure Finger zu kalt, um effektiv zu tippen – selbst wenn die Heizung den ganzen Tag läuft.

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Während eines Winters in Portland, Oregon, hat die Feuchtigkeit in meinem Lieferwagen trotz Heizung und guter Belüftung dazu geführt, dass jedes Werkzeug in meinem Besitz Rost angesetzt hat.

Ihr bekommt die Post zu spät

Ich dachte wirklich, ich wäre auf diese Situation vorbereitet. Ich hatte einen privaten Briefkasten bei Pony Express, ich habe, wo ich konnte, jede Form von physischen Briefen abbestellt. Und trotzdem: Jedes Mal, wenn ich nach einer mehrmonatigen Reise nach Seattle „zurückkehrte“, wartete dort ein Stapel Post auf mich.

Es gibt immer irgendwelche Geschäfte, Behörden oder Notfälle, die Post erfordern. Und es kann daher schwierig sein, auf Reisen zu gehen. Ich habe einmal sogar einen Brief von Finanzamt erhalten. Darin wurde mir mitgeteilt, dass bei eine Steuerprüfung stattgefunden hat – und ich habe die Antwortfrist verpasst.

Gesundheitsvorsorge kann schwierig sein

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Als Nomadin, die mit Multipler Sklerose, Morbus Hashimoto und einigen weniger schwerwiegenden Krankheiten lebt, kann es schwierig sein, Medikamente zu bekommen und Termine bei Ärzten zu vereinbaren. Selbst mit 90-Tage-Rezepten und landesweit in den USA existierenden Apotheken hatte ich erstaunlich viele Probleme, an die Medikamente zu kommen, die ich brauchte.

Bei der Behandlung sieht es nicht anders aus. Einmal hat ein Bandscheibenvorfall mein rechtes Bein gelähmt. Ich landete in der Notaufnahme und machte den Fehler, zu erwähnen, dass ich in einem Van lebte. Ich hatte gehofft, mein Betreuer würde dadurch verstehen, wie wichtig es für mich ist, mobil zu sein. Stattdessen wurden mir aber Broschüren zu Alkoholsucht und für Notunterkünfte ausgehändigt. Die Zeit hätten sie lieber damit verbringen sollen, mich in ein MRT zu stecken.

Die Pflege eures Haustieres kann kompliziert werden

Nicht nur meine gesundheitliche Versorgung wurde komplizierter. Als ich einen Hundewelpen in Phoenix abholte, musste ich mit Erschrecken feststellen, dass es erstaunlich schwierig war, unterwegs die tierärztliche Versorgung zu organisieren.

Wenn man zum Beispiel in Arizona mit bestimmten Impfungen beginnt und sie in Oregon auffrischen lassen will, wird alles kompliziert.

Ständige Ortswechsel belasten das Nervensystem

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Ich habe den Begriff „Nervensystemsteuer“ erfunden, um das latente Gefühl der Unruhe zu beschreiben, das mich so oft auf der Straße begleitet hat. Unsere Psyche mag Vertrautheit und assoziiert Vorhersehbarkeit mit „Sicherheit“. Wie schön und abenteuerlich der Wechsel von Landschaft, Klima und Gefährten auch sein mag, er ist immer auch eine Belastung für unser Nervensystem.

Ohne einen Plan zur Beruhigung und Erholung können euch eure endlichen Ressourcen leicht ausgehen.

Alles ist knapp – und bei Pannen zahlt ihr mehr als nur die Reparatur

Angefangen beim Strom für die Beleuchtung bis hin zur Wassermenge beim Abwasch: Wenn ihr in einem Camper wohnt, sind eure Ressourcen extrem begrenzt. Wenn ihr genug von allem haben wollt, um eure wichtigsten Tagesziele zu erreichen, müsst ihr ständig euren Verbrauch überwachen und eure Ressourcen managen.

Dazu kommt noch das Auto selbst als Ressource: Mir war bewusst, dass Pannen dazugehören. Schließlich war ich in einem alten Volkswagen unterwegs. Da ich gerne an Dingen herumschraube, sind solche Reparaturen für mich oft Teil des Reizes.

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Aber ich hatte nicht bedacht, dass ich mein komplettes Zuhause los bin, wenn ich doch mal einen Mechaniker oder eine Werkstatt hinzuziehen muss. Da die meisten Geschäfte nicht darauf erpicht sind, die Bewohner mit aufzunehmen, gehört es beim Vanlife zum Reparaturpreis dazu, dass ihr euch eventuell ein Auto oder eine Unterkunft mieten müsst.

Eine dauerhafte Gemeinschaft zu finden, ist schwer

Das Leben im Capmer ist voll von faszinierenden Fremden, von Freunden, die über Nacht bleiben, oder sogar von Saisonbegleitern. Die Verbindungen, die ihr knüpft, sind innig und wunderbar – aber immer flüchtig.

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Ich habe also eine fast romantische Sehnsucht nach Beziehungen entwickeln. Sie sollen so innig sein wie die auf Reisen – aber nicht immer so schnell damit enden, dass man getrennte Wege geht.

Dieser Artikel wurde von Steffen Bosse aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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