Haberland-Haus droht der Abbruch: Stadt Köln lehnt Umbau zu Senioreneinrichtung ab

Bürgervereine protestieren gegen die Entscheidung.

Die Vorstände der Bürgervereine Stammheim und Flittard fühlen sich von der Stadtverwaltung getäuscht. Jahrelang kämpften sie für den Erhalt des Ulrich-Haberland-Hauses im Stammheimer Schlosspark. Statt das seit 2001 leerstehende Haus verfallen zu lassen, soll hier doch lieber eine Senioreneinrichtung und ein Park-Café entstehen.

Noch im vergangenen Herbst schöpften sie Hoffnung: Eine große Mehrheit sprach sich im Liegenschaftsausschuss für den Erhalt und eine neue Nutzung des denkmalgeschützten Gebäudes aus. Doch nun droht dessen Abriss.

Grund für Absage ist die mögliche Erweiterung des Klärwerks

In ihrer Antwort auf eine Anfrage von CDU und Grünen verneint die Stadtverwaltung eine Möglichkeit, das Haberland-Haus einer neuen Nutzung zuzuführen. Zur Begründung wird einerseits darauf verwiesen, dass für das Großklärwerk Stammheim eine Erweiterung bis zur Straße „Am Stammheimer Schlosspark“ als Option erhalten werden müsse. Wegen der zu erwartenden Geruchsbelästigungen verbiete sich eine Wohn-Nutzung.

Desweiteren, so das Stadtplanungsamt, sei der Bestandsschutz – das Haus war erst einer Bayer-Alteneinrichtung und später Studentenwohnheim – längst erloschen. Es müsste ein neuer Bebauungsplan vorgelegt werden, der aber wegen des Klärwerks nicht genehmigungsfähig wäre.

Als weiteres Argument wurde der desolate Zustand der Bausubstanz genannt. „Das Liegenschaftsamt hat bereits einen Antrag auf Aufhebung des Denkmalschutzes gestellt“, sagt Anna Luise Müller, die Chefin des Stadtplanungsamts. Die Stadtverwaltung erklärte, dass alle Gespräche mit potenziellen Investoren abgeschlossen seien. Deren Vorstellungen seien zu unkonkret gewesen.

Bürgervereine lassen Aussagen durch Anwalt prüfen

„Wir bezweifeln Müllers Aussagen und lassen alles durch einen auf Baurecht spezialisierten Anwalt prüfen“, sagt Bruno Odenthal, Vorsitzender des Bürgervereins Flittard.

Günter Seiffert, stellvertretender Vorsitzender des Bürgervereins Stammheim, schäumt: „Nach Auskunft der zwei uns bekannten Interessenten ist es nicht zu persönlichen Gesprächen gekommen, alle Terminanfragen sind abgewimmelt worden.“ Er schließe daraus, dass die Stadtverwaltung von Anfang an kein Interesse am Erhalt der Immobilie hatte.

Die Anfragen beider Investoren – die Architekten Christian Schaller und Bruno Wasser – seien sehr konkret gewesen. Schaller bestätigt: „Wir sind immer noch an der Immobilie interessiert.“ Er habe sogar schon Absprachen mit dem Stadtkonservator getroffen, wie die Fassade erhalten wird und dem Liegenschaftsamt liege seit Monaten bereits eine Kaufanfrage vor. Schaller: „Darauf habe ich nie eine Antwort erhalten.“

Befremden über Verhalten der Stadtverwaltung Köln

Bei Jörg Frank (Grüne), dem Vorsitzenden des Liegenschaftsausschusses, ruft das Verhalten der Stadtverwaltung Befremden hervor: „Die sind sehr despektierlich mit den Investoren umgegangen.“ Bruno Wasser beispielsweise habe sehr detaillierte Vorstellungen. Und wenn schon Wohnen nicht genehmigungsfähig sein sollte, dann doch wenigstens eine andere Nutzung wie Ateliers für Künstler und Gastronomie.

In seinem Ausschuss gebe es unter den Vertretern der großen Ratsfraktionen einen gemeinsamen Standpunkt: „Das Klärwerk darf sich nicht nach Süden ausdehnen, das Ulrich-Haberland-Haus darf nicht abgerissen und der Schlosspark nicht beeinträchtigt werden.“ Auch Martin Börschel, Fraktionsvorsitzender der SPD-Ratsfraktion, setzt sich vehement für den Erhalt des Gebäudes ein.

„Ernüchternde Antwort“

Er hatte sich in einem Brief an Oberbürgermeisterin Henriette Reker dafür stark gemacht. „Die Antwort war aber ernüchternd“, sagt er. Reker habe einfach die Argumentation der Verwaltung übernommen, wahrscheinlich ohne selbst die Aussagen zu prüfen.

Die Bürgervereine machen indessen weiter. „Wir haben uns jetzt an den Beschwerdeausschuss gewandt“, sagt Seiffert. Auf die Stadtverwaltung ist er jedenfalls nicht gut zu sprechen: „Außer denParteien im Rat gibt es keinerlei Gesprächsbereitschaft. Die Verwaltung dagegen täuscht sowohl die Bürger als auch die Politiker.“...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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