Bewährungsstrafen nach tödlichem Jagdunfall in Südfrankreich

Ein junger Mann wurde in Frankreich auf seinem eigenen Grundstück von einem Jäger erschossen - zwei Jahre später hat ein Gericht im südfranzösischen Cahors den Jäger und den Jagd-Veranstalter nun zu Bewährungsstrafen verurteilt. Der 35 Jahre alte Schütze wurde am Donnerstag mit zwei Jahren Haft auf Bewährung und einem lebenslangen Jagdverbot bestraft. Der Vorsitzende des Jagdvereins bekam 18 Monate auf Bewährung und ein Jagdverbot für fünf Jahre.

Freunde des getöteten Morgan Keane zeigten sich von dem Urteil enttäuscht, das hinter den Forderungen der Staatsanwaltschaft zurückblieb. "Die Justiz vermittelt die Botschaft, dass es nicht so schlimm ist, jemanden zu töten", sagte Peggy, eine Freundin des jungen Mannes.

Die beiden Angeklagten hatten sich wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten müssen. Der Fall hatte in Frankreich Aufsehen erregt, weil das Opfer auf seinem eigenen Gelände getroffen worden war.

Der Schütze hatte ausgesagt, das Opfer mit einem Wildschwein verwechselt zu haben. Er hatte erst wenige Monate zuvor seinen Jagdschein bekommen. Dem Vorsitzenden des örtlichen Jagdvereins wurde eine mangelhafte Vorbereitung der Jagd vorgeworfen.

Die Staatsanwaltschaft hatte für beide Angeklagte neben Bewährungsstrafen sechs Monate Haft ohne Bewährung sowie ein lebenslanges Jagdverbot gefordert.

Die französische Regierung hatte am Montag Pläne für ein neues Jagdgesetz bekannt gegeben. Dabei konnte sie sich jedoch nicht zu einem von vielen geforderten Jagdverbot an Sonntagen durchringen. Nach den Vorstellungen der Regierung sollen Jäger künftig nicht mehr alkoholisiert oder unter Drogen ihrem Hobby nachgehen dürfen.

Geplant ist auch eine App für Mobiltelefone, die darüber informieren soll, wo und wann gejagt wird. Diese hätte im Fall von Morgan Keane allerdings wenig geholfen, denn er war ja auf dem eigenen Gelände.

In Frankreich waren in der Saison 2021 90 Menschen bei Jagdunfällen verletzt worden. Acht Menschen wurden getötet, unter ihnen zwei Nicht-Jäger.

Es gibt mehr als eine Million Jäger in Frankreich, so viele wie in keinem anderen EU-Land. Seit Jahren wird darüber gestritten, wie die Zahl der Unfälle reduziert werden könnte.

kol/ans