Haftstrafen für sechs Journalisten von türkischer Oppositionszeitung

Ein Gericht in Istanbul hat sechs Journalisten der türkischen Oppositionszeitung "Sözcü" zu Gefängnisstrafen verurteilt. Die Angeklagten, darunter auch Chefredakteur Metin Yilmaz, wurden am Freitag zu gut zwei bis dreieinhalb Jahren Haft verurteilt, wie einer ihrer Anwälte mitteilte. Sie haben nach Überzeugung des Gerichts die als Terrororganisation verbotene Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen unterstützt, die für den Putschversuch im Juli 2016 verantwortlich gemacht wird.

Die Journalisten müssen nach Angaben des Anwalts Celal Ülgen nicht sofort in Haft, weil er Berufung gegen das Urteil eingelegt hat. Das Urteil gegen den "Sözcü"-Eigentümer Burak Akbay, dessen Verfahren von dem Prozess gegen die Journalisten abgetrennt wurde, steht noch aus. Die Zeitung verurteilte das Urteil gegen die Journalisten und sprach von einem "Schandfleck in der Geschichte der Presse und der Justiz".

Der nationalistischen, säkularen und regierungskritischen Zeitung war insbesondere zur Last gelegt worden, vor dem gescheiterten Militärputsch öffentlich gemacht zu haben, in welchem Hotel der Küstenstadt Marmaris sich Präsident Recep Tayyip Erdogan mit seiner Familie zum Urlaub aufhielt. Aufständische Soldaten hatten in der Putschnacht versucht, den Präsidenten an seinem Urlaubsort festzunehmen.

Seit dem Putschversuch wurden in der Türkei etliche Medien geschlossen und Journalisten festgenommen. Kritiker werfen Erdogan vor, die Pressefreiheit immer weiter zu beschneiden. Auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen steht die Türkei nur noch auf Platz 157 von 180.