Söldner sollen Haitis Präsidenten ermordet haben

·Lesedauer: 4 Min.

Woher kam der Auftrag? Nach dem Mord an Haitis Präsident präsentiert die Polizei die mutmaßlichen Täter - kolumbianische Söldner und zwei US-Amerikaner haitianischer Herkunft.

Schwer bewaffnet sollen diese Söldner den haitianischen Präsidenten Jovenel Moise ermordet haben.
Schwer bewaffnet sollen diese Söldner den haitianischen Präsidenten Jovenel Moise ermordet haben.

Port-au-Prince (dpa) - Der Mord an Haitis Präsident Jovenel Moïse geht nach Angaben der Polizei auf das Konto einer Söldnertruppe aus dem Ausland. Die Nationalpolizei des Karibikstaats meldete am Freitag die Festnahmen dreier weiterer Männer aus Kolumbien. 

Zuvor hatte sie in der Hauptstadt Port-au-Prince bereits 15 Kolumbianer und zwei US-Amerikaner vorgeführt, die den Anschlag verübt haben sollen. Nach fünf weiteren Kolumbianern wurde noch gefahndet. Drei mutmaßliche Täter seien getötet worden. Von wem das Mordkommando den Auftrag bekam, blieb unklar.

28 schwer bewaffnete Söldner

Der 53 Jahre alte Präsident war in der Nacht zum Mittwoch in seiner Residenz überfallen und dann erschossen worden. Moïses Ehefrau Martine wurde dabei schwer verletzt. Inzwischen wird sie in der US-Großstadt Miami behandelt. Der Polizei zufolge bestand das Mordkommando aus insgesamt 28 schwer bewaffneten Männern. Der bitterarme Karibikstaat steckt seit dem Anschlag noch tiefer in der Krise. Die Hintergründe der Tat liegen im Dunkeln.

Haitis Regierung: Bitte um Entsendung ausländischer Soldaten

Der Großteil der festgenommenen Männer wurden von der Polizei in Handschellen präsentiert. Sie saßen dabei auf dem Boden. Manche waren sichtbar verletzt. Auf einem Tisch lagen beschlagnahmte Gegenstände wie automatische Waffen, Macheten, Vorschlaghammer, Reisepässe und Handys. Kolumbiens Verteidigungsminister Diego Molano bestätigte die Beteiligung von Bürgern seines Landes. Nach ersten Informationen handele es sich um ehemalige Soldaten, sagte Molano in einem Video.

Auch US-Amerikaner festgenommen

Die beiden US-Amerikaner gaben nach einem Bericht der «New York Times» an, als Dolmetscher angeheuert worden zu sein. Eigentlicher Plan sei gewesen, Moïse in den Nationalpalast zu bringen - nicht aber, ihn umzubringen. Haitis Botschafter in den USA, Bocchit Edmond, zufolge gaben sich die Angreifer als Agenten der US-Drogenbehörde DEA aus.

Bei den Ermittlungen sollen künftig auch US-Behörden helfen. Auf Bitten aus Haiti würden hochrangige Beamte der US-Bundespolizei FBI sowie des Heimatschutzministeriums so bald wie möglich in die Hauptstadt Port-au-Prince geschickt, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki.

Die USA wollen nach einem Bericht der «New York Times» derzeit keine Truppen nach Haiti schicken. «Es gibt zur Zeit keine Pläne, US-Militärhilfe zu leisten», sagte ein hochrangiger US-Regierungsbeamter der Zeitung in einem am Freitag erschienenen Artikel. Das Blatt hatte zuvor unter Berufung auf den haitianischen Wahlminister Mathias Pierre berichtet, die frühere Besatzungsmacht USA sei gebeten worden, Truppen zu schicken, um bei Sicherung von für die Infrastruktur wichtigen Orten zu helfen.

Nach dem Mordanschlag auf den haitianischen Präsidenten Jovenel Moïse sollen aber US-Behörden bei den Ermittlungen helfen. Washington werde auf Bitten aus Port-au-Prince Beamte der US-Bundespolizei FBI sowie des Heimatschutzministeriums «so bald wie möglich» in den Karibikstaat schicken, hatte die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, gesagt. In Haiti herrschte bereits vor dem Mord eine tiefe politische Krise. Im September soll es Wahlen geben.

Machtvakuum hinterlassen

Haitis Senat hat seinen bisherigen Präsidenten Joseph Lambert zum Übergangs-Nachfolger des ermordeten Staatspräsidenten Jovenel Moïse gewählt. «Ich spreche den politischen Institutionen, die mich unterstützen, meine bescheidene Dankbarkeit aus», schrieb Lambert am Freitagabend (Ortszeit) auf Twitter. Er wolle den Weg für einen demokratischen Machtwechsel ebnen. Im September sind in Haiti Präsidenten- und Parlamentswahlen geplant.

Mord an Sarah Everard: Londoner Polizist bekennt sich schuldig

Allerdings ist der Senat - das Oberhaus des haitianischen Parlaments - seit Januar 2020 nicht mehr beschlussfähig. Es war daher zunächst unklar, ob Lambert tatsächlich das Amt antreten kann. Weil eine für Oktober 2019 vorgesehene Parlamentswahl unter anderem wegen heftiger Proteste gegen Moïse ausgefallen war, gibt es nur noch 10 von 30 Senatoren, deren Amtszeiten nicht abgelaufen sind. Im Unterhaus, der Abgeordnetenkammer, sitzt niemand mehr. Acht der zehn Senatoren stimmten Medienberichten zufolge für Lambert, zwei enthielten sich.

Geplante Vereidigung ausgefallen

Zuvor hatten sich am Freitag mehrere politische Akteure in dem Karibikstaat, der sich die Insel Hispaniola mit der Dominikanischen Republik teilt, auf Lambert als Interims-Staatschef geeinigt. Das geht aus einem Schreiben hervor, das von Vertretern mehrerer Parteien und Bewegungen unterschrieben wurde - darunter auch der konservativen PHTK, der Moïse angehörte. Es fehlten aber auch Unterschriften einiger wichtiger Kräfte. Interims-Premierminister und damit Regierungschef soll demnach der Neurochirurg Ariel Henry werden. Diesen hatte Moïse noch am Montag für das Amt ernannt.

Henrys für Mittwoch geplante Vereidigung war nach dem Attentat aber ausgefallen. Der Außenminister und bisherige Interims-Premierminister Claude Joseph erklärte sich zum amtierenden Interims-Regierungschef. Als solcher hielt er in den vergangenen Tagen Ansprachen an die Nation, unterzeichnete Erlasse und führte Gespräche mit Vertretern ausländischer Regierungen. In einem Interview der haitianischen Zeitung «Le Nouvelliste» sagte Henry, seiner Ansicht nach sei er Premierminister - nicht Joseph.

VIDEO: Haiti am Rande des Abgrunds

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.