Hamas und Israel erklären sich nach Beginn der Waffenruhe zu Siegern

Gaza-Stadt/Jerusalem (dapd). Nach Einsetzen der Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas haben sich beide Seiten zum Sieger des Konflikts erklärt. Im Gazastreifen feierten tausende Menschen mit Fahnen das Ende der Kämpfe und den vermeintlichen Sieg. "Nach diesem Sieg ist die Möglichkeit eines Einmarsches in den Gazastreifen vertan und die Gefahr gebannt", sagte der Ministerpräsident der Hamas, Ismail Hanijeh, bei einer Großdemonstration.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu seinerseits betonte, die Ziele der Offensive seien erreicht worden, nämlich den Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen zu stoppen und die Hamas zu schwächen. "Ich weiß, dass es Bürger gibt, die eine härtere Reaktion erwartet haben", sagte Netanjahu weiter. Israel sei bereit zu handeln, falls die Waffenruhe verletzt werde.

Nach den acht Kampftagen mit knapp 170 Toten - fast ausschließlich im Gazastreifen - verhandeln Israel und die Palästinenser nun unter ägyptischer Vermittlung über einen langfristigen Waffenstillstand und die Öffnung der Grenzen zu dem Autonomiegebiet. Hamas-Führer Chaled Maschaal und ein Führer der kleineren militanten Gruppe Islamischer Dschihad, Ramadan Schalah, trafen dazu die Spitze des ägyptischen Geheimdienstes. Formell sollen Gespräche aufgenommen werden, wenn die Waffenruhe 24 Stunden lang gehalten hat. Die Waffen schweigen seit 20.00 Uhr deutscher Zeit am Mittwoch.

Schwieriger Auftrag für Muslimbruder Mursi

Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi, der für seine erfolgreiche Vermittlung viel internationales Lob erhielt, steht vor einer schwierigen Aufgabe. Israel will ein Ende des Waffenschmuggels in den Gazastreifen erreichen, die Hamas erwartet eine vollständige Aufhebung der 2007 begonnenen Blockade des Gazastreifens. Mursi gehört wie die Hamas zur panarabischen Muslimbruderschaft, was von israelischer Seite mit Argwohn betrachtet wird.

Unterdessen sagte die Bundesregierung in Berlin den Palästinensern 1,5 Millionen Euro zur Verbesserung der medizinischen Versorgung im Gazastreifen zu. "Damit wollen wir einen Beitrag dazu leisten, für die Menschen im Gazastreifen eine echte Lebensperspektive zu entwickeln, die ein friedliches Miteinander erst möglich macht", teilte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) am Donnerstag mit.

Im Gazastreifen schien sich das Leben am Donnerstag wieder zu normalisieren. Die Geschäfte hatten geöffnet, die Menschen begannen, Kriegsschäden zu beseitigen. "Jetzt ist es Zeit für den Wiederaufbau", sagte Ijad Radwan, ein 23-jährige Angestellte eines Glasers. Im Süden Israels hingegen blieben die Schulen geschlossen. In der von den Raketen aus dem Gazastreifen besonders hart getroffene Grenzstadt Sderot waren nur wenige Menschen auf den Straßen, die meisten Geschäfte blieben geschlossen.

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