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Handballer sehen "Riesenschritt" - Olympia-Quali im Blick

Gislason ist stolz auf sein Team (KIRILL KUDRYAVTSEV)
Gislason ist stolz auf sein Team (KIRILL KUDRYAVTSEV)

Enttäuschung über die verpasste EM-Medaille? Die hatte Alfred Gislason schnell abgeschüttelt. Der Handball-Bundestrainer rückte lieber die Fortschritte seiner jungen Mannschaft in den Fokus. "Dieses Turnier hat das Team in Sachen Erfahrung sehr vorangebracht. Ich bin sehr stolz auf meine Jungs", sagte Gislason.

Dass die DHB-Auswahl ihr Heimturnier am Ende mit Blech statt Bronze abschloss, sei schade. Das Potenzial seines Teams und die Aussichten hellten die Laune des Isländers aber wieder auf. "Riesenkompliment an die Mannschaft. Ich glaube, dass wir deutlich näher an die Weltspitze herangerückt sind als im vergangenen Jahr. Ich bin sehr optimistisch für meine Mannschaft", sagte Gislason.

Auch Kapitän Johannes Golla sah trotz der mageren Turnierbilanz von vier Siegen, vier Niederlagen und einem Remis "einen Schritt in die richtige Richtung", in der Abwehrarbeit sogar einen "Riesenschritt nach vorn".

Für Andreas Wolff habe die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) "die Lücke zu den Top-Teams etwas verkleinert". Spielmacher Juri Knorr analysierte aber auch, dass dem deutschen Team "noch ein bisschen Reife" und "auch ein bisschen Qualität" fehle. Er glaube aber, "dass wir uns wieder ein bisschen Respekt verschaffen konnten in der Handballwelt, dass Deutschland wieder ernst genommen wird", sagte Knorr.

Der vierte Platz, urteilte Weltmeister-Trainer Heiner Brand in der ARD, entspreche "der Stärke der deutschen Mannschaft. Es ist keine enttäuschende Leistung, darauf kann man aufbauen mit dieser jungen Mannschaft", sagte der 71-Jährige. Zwei Tage nach der Halbfinal-Niederlage gegen Dänemark hatte Deutschland nach einer verkorksten ersten Hälfte auch das Spiel um Bronze gegen Schweden (31:34) verloren.

Damit verpasste Deutschland die direkte Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele und muss nun einen Umweg nach Paris wählen. Bei einem Qualifikationsturnier vom 14. bis 17. März trifft die DHB-Auswahl auf Kroatien, Österreich und Algerien, die zwei besten Teams lösen das Ticket. "Das hätten wir gern vermieden", gab Gislason zu.

Philipp Weber weiß aus eigener Erfahrung, wie "toll es bei Olympia sein kann. Von daher werden wir da alles in dieses Turnier reinhauen, um dabei sein zu dürfen", versicherte der Magdeburger mit Blick auf das nächste große deutsche Ziel.

Nach den Sommerspielen in Paris endet Gislasons Vertrag beim DHB. Der 64-Jährige machte deutlich, dass er gern darüber hinaus als Bundestrainer arbeiten würde. "Ich habe signalisiert, dass ich das gerne mache, aber letztendlich entscheide ich das nicht", sagte Gislason. Er sei in dieser Frage "sehr, sehr locker".

DHB-Sportvorstand Axel Kromer verwies nach dem verlorenen Bronze-Spiel am Sonntag in Köln auf eine Vereinbarung mit Gislason, sich nach der EM zusammenzusetzen. "Wir werden sicher nicht den morgigen Tag nutzen, aber die nächsten Tage auf jeden Fall", sagte Kromer. Er wolle "die EM analysieren mit dem Trainerteam zusammen. Und dann wird es in Gespräche gehen."