Hannes Jaenicke über deutsche Doppelmoral: "Verdrängen die Perversion der Tierfabriken"

In "Hannes Jaenicke: Im Einsatz für das Schwein" (Dienstag, 31. März, 22.15 Uhr, ZDF) klagt der 62-Jährige die Fleischindustrie und die deutsche Poltik an. Im teleschau-Interview kommt auch der Verbraucher nicht gut weg. (Bild: ZDF / Markus Strobel)
In "Hannes Jaenicke: Im Einsatz für das Schwein" (Dienstag, 31. März, 22.15 Uhr, ZDF) klagt der 62-Jährige die Fleischindustrie und die deutsche Poltik an. Im teleschau-Interview kommt auch der Verbraucher nicht gut weg. (Bild: ZDF / Markus Strobel)

In "Hannes Jaenicke: Im Einsatz für das Schwein" setzt sich der Schauspieler und Tierrechtsaktivist für eine Spezies ein, die meist von der Industrie zu Billigfleisch verarbeitet wird. Im Interview wirft Jaenicke den Deutschen Verlogenheit in Sachen Tierliebe und falsche Prioritätensetzung vor.

Schauspieler und Tierrechtsaktivist Hannes Jaenicke ist bekannt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Im Interview mit der Nachrichtenagentur teleschau prangert der 62-Jährige, der sich im zwölften Teil seiner ZDF-Dokureihe "Hannes Jaenicke: Im Einsatz für ..." (Dienstag, 31. Mai, 22.15 Uhr, ZDF) für das Schwein starkmacht, diedoppelmoralische Tierliebe seiner Landsleute an: "Wenn die Deutschen behaupten, sie seien tierlieb, ist das verlogen", lautet Jaenickes hartes Urteil.

Die Unterscheidung zwischen dem Familienhund und dem anonymen Schwein in den Mastfabriken stößt ihm sauer auf - bei beiden Spezies handelt es sich um intelligente, soziale Tiere, befindet der TV-Star. "Wir verwöhnen unsere Haustiere und quälen Nutztiere, um Billigfleisch essen zu können."

Tierleid in der Fleischindustrie - das Thema dürfte den meisten Menschen natürlich längst nicht neu sein. Schauen wir bewusst weg? "Ja und nein", findet Jaenicke. Den Verbraucher will Hannes Jaenicke ausdrücklich nicht aus der Verantwortung entlassen: "Wir verdrängen die Perversion der Tierfabriken." Aber, so Jaenicke weiter: "Die Fleischindustrie tut ja alles dafür, dass wir Verbraucher nicht sehen, wie bestialisch unser Fleisch produziert wird." So hätten Viehtransporte auf den Autobahnen mittlerweile Sichtschutz, und selbst Hochsicherheitsgefängnisse seien zugänglicher als große Betriebe.

Unterscheidung zwischen Nutztier und Haustier? Hannes Jaenicke lernt Schweine in der Doku als intelligente und soziale Tiere kennen. (Bild: ZDF / Markus Strobel)
Unterscheidung zwischen Nutztier und Haustier? Hannes Jaenicke lernt Schweine in der Doku als intelligente und soziale Tiere kennen. (Bild: ZDF / Markus Strobel)

"Die Deutschen haben teure Autos, teure Handys ..."

Außerdem gelte in Deutschland "immer noch das traurige Motto: 'Geiz ist geil", so Jaenicke gegenüber der Agentur teleschau. In anderen Ländern seien tiergerechte Haltung und gute Ernährung den Menschen laut Jaenicke mehr wert: Italiener und Franzosen würden 23 bis 24 Prozent ihres Monatseinkommens für Essen ausgeben, die Deutschen nur knapp elf. "Uns ist das Tierwohl und die Qualität unseres Essens weitgehend egal", schimpft Jaenicke. "Die Deutschen haben teure Autos, teure Handys, teure Fernseher, damit sie 'Dschungelcamp' noch schärfer sehen können, aber sparen beim Essen." Dies sei auch eine Frage der Prioritätensetzung.

Ob er an der Ignoranz seiner Mitmenschen verzweifelt? Nein, antwortet Jaenicke, und er sieht durchaus eine langsame Veränderung. "Vor 20 Jahren waren vielleicht ein, zwei Leute aus meiner Filmcrews Vegetarier, heute ist es oft ein Drittel des Teams", so der Schauspieler. Inzwischen könne er selbst in einem bayerischen Dorfgasthaus ein vegetarisches Gericht bestellen. Das war nicht immer so: "Als ich 2008 nach Oberbayern gezogen bin, bin ich dort in ein gutbürgerliches Gasthaus gegangen, und auf der Speisekarte stand unter 'Vegetarisches': Forelle." Nun würde selbst in Bayern Fisch nicht mehr als Gemüse gelten.

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