Hannes Jaenicke im Interview: „Ich war nie Metaller, habe aber große Sympathie dafür“

Der Schauspieler spricht über Musik der 70er und über Vorurteile gegenüber Metallern.

Herr Jaenicke, in dem Film „Ein Dorf rockt ab“ spielen Sie die Rolle des Mike Berger, der in einem kleinen Dorf ein Heavy-Metal-Festival veranstaltet...

Es geht um ein fiktives Provinzkaff mit allem, was deutsche Spießerkultur unterhaltsam, lustig und unerträglich macht. Dort geht der kleine Bauernhof der Familie Leonhard finanziell den Bach runter, und die einzige Chance, den Hof zu retten, ist, ihre Wiese für ein Wackenartiges Heavy-Metal-Festival zu vermieten. Ich fand diesen Kultur-Clash eine großartige Filmidee und habe schon beim Lesen des Drehbuches laut gelacht.

Wie würden Sie Mike Berger als Typ beschreiben?

Er war ursprünglich Lehrer, schmiss hin und organisiert mittlerweile Metal-Festivals. Ich fand das als Lebensweg eine spannende Biografie. Denn das trauen sich nur die Wenigsten: Etwas hinzuschmeißen, um endlich das zu machen, woran man wirklich Freude hat. Und viele Leute haben Vorurteile gegen die „Metaller“, dabei sind das die entspanntesten, friedfertigsten Menschen, die ich kenne. Zwar sehen sie mit ihren Piercings und den flächendeckenden Tattoos oft erschreckend aus, aber es ist eine unglaublich angenehme Szene.

Ist das auch Ihr Musikgeschmack?

Ich bin ein 70er-Jahre-Kind und mit Led Zeppelin, The Who und Deep Purple aufgewachsen. Als Heavy Metal und Headbanging in Mode kamen, bin ich eher der alternativen Rock-Szene gefolgt. Ich war nie Metaller, habe aber große Sympathie dafür. Es gibt auch Leute, die komplett auf Helene Fischer abfahren, und die haben genauso das Recht auf ihren Musikgeschmack. Ich beurteile das nicht. Gott sei Dank sind Geschmäcker verschieden. Ich bin eben mit Neil Young, Robert Plant und Bruce Springsteen groß geworden und habe lange in einem Plattenladen gearbeitet. Daher stammt meine bis heute ansehnliche LP-Sammlung. Die sind mittlerweile wieder total in, und es ist Wahnsinn, was bei Auktionen für manche Platten bezahlt wird. Also wenn mir irgendwann das Geld ausgeht, weiß ich, was ich zu tun habe. (lacht)

Im Film helfen Sie mit dem Festival – zwar nicht ganz beabsichtigt – finanziell dieser Familie. Im echten Leben engagieren Sie sich für Tiere...

Eher für Umweltschutz und Menschenrechte, ich bin kein Tierschützer per se. In den ZDF-Dokus „Hannes Jaenicke: Im Einsatz für...“ geht es zwar um aussterbende Tierarten, aber hauptsächlich darum, zu demonstrieren, wie wir mit unserer Natur und Umwelt umgehen. Wir haben zum Beispiel einen Film über Orang-Utans gemacht. Da geht es um Regenwaldvernichtung, Klimaschutz, billiges Tropenholz und Palmöl. Gerade mache ich einen Film über die letzten Nashörner. Da geht es mir ehrlich gesagt auch darum, dass Nashörner, Elefanten, Raubkatzen und so weiter in Deutschland immer noch im Zirkus auftreten dürfen. Dass deutsche Großwildjäger diese Tiere in Afrika immer noch abschießen und anschließend die Trophäen nach Deutschland einführen dürfen. Und dass wir Milliarden-Geschäfte mit den Asiaten machen und beflissentlich ignorieren, dass fast alle aussterbenden Tierarten auch für traditionelle Medizin und Potenzmittel dort ausgerottet werden.

Wie kann sich Ihrer Meinung nach jemand engagieren, der nicht in der Öffentlichkeit steht, sondern einen ganz normalen Alltag hat?

Dieser Jemand fällt pro Tag zwischen 100 und 150 umweltrelevante Entscheidungen. Wie lange lasse ich morgens das Wasser laufen? Wie hoch drehe ich meine Heizung oder Klimaanlage? Wie viel Plastik und Verpackungsmüll produziere ich? Kaufe ich fair gehandelte beziehungsweise Bio-Produkte oder lieber das Produkt eines Konzerns, der Kinder auf Pestizid-verseuchten Kakao- oder Kaffee-Plantagen schuften lässt? Die Liste ist lang. Jeder, der konsumiert, hat viel mehr Einfluss als er glaubt. Unser Geldbeutel ist eine mächtige Waffe.

Das Gespräch führten Nina Klempt und Antonia von Hohenzollern...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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