Hart aber fair: Kriegspropaganda und Verschwörungstheorien bei Frank Plasberg

Es ist nicht ganz leicht, aus dieser Sendung die Fakten zu extrahieren. Es gibt Kriegspropaganda und Verschwörungstheorien. Glücklicherweise hat Frank Plasberg ein ganz eigenes Team von Fakten-Checkern.

Wir können uns den Aufschrei im Team von Frank Plasbergs Fakten-Checkern nur zu gut vorstellen. „Ey, zum Syrienkrieg zu recherchieren ist hart genug – aber jetzt hat die Pfeife Plasberg auch noch den BILD-Chef eingeladen!“ Daraufhin hat vermutlich die Hälfte gekündigt, die anderen warfen Koffeinpillen in ihre Monster-Drinks, denn die Nacht würde lang werden.

Thema bei Plasberg: „Giftgas gegen syrische Kinder – werden wir schuldig durch Wegschauen?”

„Giftgas gegen syrische Kinder – werden wir schuldig durch Wegschauen?“ Das diskutierte Frank Plasberg gestern Abend bei hart aber fair – unter anderem mit BILD-Boy Julian Reichelt, Ex-Nato-Offizier Ulrich Scholz und Journalistin Kristin Helberg.

Die Diskussion ist hitzig. Laut einer eigens für die Sendung in Auftrag gegebenen Umfrage, sind lediglich 18 % der Deutschen für eine militärische Intervention in Syrien, seitens Deutschlands. Reichelt lässt trotzdem gleich zu Beginn Dampf ab: Die Rote Linie sei überschritten, wir müssten nun in Syrien eingreifen. Außerdem sei die Bilanz deutscher Einsätze in Krisengebieten durchweg positiv – Reichelt verweist auf Jugoslawien, Afghanistan und Sierra Leone.

Ex-Nato-Offizier Ulrich Scholz: Seine Quelle ist ein anonymer CIA-Kontaktmann

Ex-Nato-Offizier Ulrich Scholz hat eine ganz eigene Theorie zu den Ereignissen in Syrien: Die syrische Armee habe ein Lager bombardiert, in dem sich Giftgas befand. Es habe keinen tatsächlichen Giftgasangriff gegeben. Als Quelle verweist er auf einen anonym bleibenden Bekannten bei der CIA. Diese Theorie deckt sich mit der, die im russischen Staatsfernsehen verbreitet wird: Assad habe gar keine Chemiewaffen – es sei aus einem Lager der Rebellen ausgetreten.

Frank Plasberg mahnt BILD-Chef Reichelt zur Ruhe

Reichelt beschimpfte den pensionierten Oberstleutnant mehrfach als „Propagandisten“ mit „Pseudo-Fachwissen“, der „im freundlichsten Fall Verschwörungstheorien“ verbreitet. Scholz wäre „uninformiert und dumm“, zudem wäre seine Argumentation „absolut infam“, wofür sich dieser „schämen müsste.“ Er forderte ihn auf, keine weiteren Unwahrheiten im Fernsehen zu verbreiten, nannte ihn zur Sicherheit dann noch einmal dumm – Reichelt war voll in Fahrt auf seinem ganz eigenen Feldzug.

Man führe sich noch einmal vor Augen, dass all dies vom Chefredakteur eines Blattes kam, das sich sonst eher für Sex-Skandale, Promi-Klatsch und wilde Crime-Geschichten stark macht.

Der Faktencheck, der normalerweise am nächsten Tag auf der Sendungsseite von hart aber fair veröffentlicht wird, verlagert sich für kurze Zeit in die Sendung. Plasberg versucht zwischen Reichelt und Scholz zu schlichten – und das Team der Rechercheure, die den kompletten Check für den nächsten Tag aufbereiten müssen, rauft sich die Haare. Hätten sie bloß auch bei der BILD angeheuert. Da sind Fakten egal, solange die Schlagzeilen große Brüste haben. (ah)

Fotos: Screenshots/ARD

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