„Jede Has es anders“: Frauen in den Hauptrollen im Kölner Hänneschen-Theater

Seit 1950 hat es keine Frau mehr in einer Hauptrolle gegeben.

Ein Hänneschen-Stück mit Mädchen oder Frauen in den Hauptrollen – das hat es schon seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben. „Das letzte Mal, dass Bärbelchen eine sehr prominente und tragende Rolle hatte, war 1950 im Abendstück »Das richtige Dutzend«“, hatte Carolyn Gase (25) im Rahmen ihrer Bachelor-Arbeit zum Thema „Die Entwicklung der Frauenfiguren Bärbelchen und Bestemo von 1950 bis 2000“ herausgefunden.

Um das zu ändern, hat die Studentin am Medien- und Kulturwissenschaftlichen Institut der Universität, die an diesem Dienstag ihre letzte Prüfung hat und ab 1. April an der Puppenbühne ein Volontariat beginnt, sich hingesetzt, selbst ein Stück geschrieben und an der Seite von Udo Müller auch Regie geführt. Für das Ostermärchen „Jede Has es anders“ gab es bei der Premiere immer wieder Szenenapplaus und zum Finale lang anhaltenden Beifall.

Seit 1950 keinen Frauen mehr

Dabei gab es gleich zwei Mädchen in den Hauptrollen, die beide unter Mobbing litten. Das Bärbelchen (Elfriede Bauer) als Klassenbeste der Ostermann-Schule wurde von zwei Mitschülern beleidigt und angegriffen, das Osterhasen-Kind Kamellche (Silke Essert) wurde stets von ihren vier Brüdern gehänselt. Und selbst der Hasenvater wollte von ihrem großen Traum, ein richtiger und dennoch weiblicher Osterhase zu werden, nichts wissen. „Dat is nix för Mädcher. Und gegen unsere Tradition.“ Auch von anderen Beispielen aus dem Tierreich – Angela Ferkel als Vorsitzende des Bundeswildsau-Verbandes und Henriette Rebhuhn als Geschäftsführerin der Hühner – ließ er sich nicht erweichen,

Irgendwie klar, dass die beiden Leidensgenossinnen sich im Laufe der Handlung über den Weg laufen würden, um sich zu helfen und Mut zu machen. Bis dahin landete das Hasenmädchen in einer Falle, die Schäl (Alexis Berg) im Wald aufgestellt hatte und wurde von einem Fuchs vom Deutschen Roten Fuchskreuz („Keine Angst, ich bin Vegetarier“) gerettet. Bärbelchen hatte von Lehrerin Welsch (Katja Lavassas) für die Osterfeier den Schulschlüssel erhalten, den ihr jedoch ihren beiden kindlichen Peiniger entwendeten.

Geschichten aus der Schule aufgegriffen

Hat die Autorin selbst Mobbing-Erfahrungen? „Nein, das nicht. Aber während meiner Schulzeit am Königin-Luise-Gymnasium war ich lange Zeit Klassensprecherin. Da kriegt man so etwas schon von anderen mit.“ Im Stück gibt es dafür zum Schluss eine Lösung: Bärbelchen wendet sich an die Lehrerin. Um nicht ganz von den Osterfeiern ausgeschlossen zu werden, geben die Mitschüler zu, auf das fleißige und beliebte Bärbelchen neidisch gewesen zu sein und entschuldigen sich.

Der Applaus der Besucher galt auch den vielen Liedern – so lässt die Katzenlehrerin in der Hasenschule singen: „Die Wienands han ’ne Has em Pott“ – sowie den wunderschönen Bühnenbildern. So lag Knollendorf diesmal direkt vor den Stadtmauern, die Kulisse konnte nach oben gezogen werden und den Blick auf die Hasenhöhlen unter den Stadt freigeben. Dafür hatte man im Fundus auf ein Bühnenbild zurückgegriffen und frisch aufgemöbelt, das, so Intendantin Frauke Kemmerling, „zuletzt 1988 in einem Heinzelmännchen-Stück verwendet worden ist“.

„Jede Has es anders“ wird bis zum 13. April gespielt: Mittwoch bis Sonntag je 15 und 17.30 Uhr. Karten kosten für Kinder 8,50 Euro, für Erwachsene 13 Euro....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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