"Hassmarsch" gegen LGBTQ: Tausende demonstrieren in Istanbul

Mehrere Tausend Menschen demonstrierten am Sonntag in Istanbul für das Verbot von LGBTQ-Organisationen. Zu dem Aufmarsch, der als "große Familienzusammenkunft" angekündigt worden war, hatten Dutzende konservative Vereinigungen aufgerufen.

Unter den Teilnehmern waren viele Unterstützer von Gruppierungen, die dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nahstehen.

Es war der größte Protest dieser Art in der Türkei. Dabei wurde laut Organisatoren mehr als 150 000 Unterschriften gesammelt, für neues Gesetz, das die so genannte LGBTQ-"Propaganda" verbietet.

"Nein zum geschlechtslosen Gesellschaftsentwurf"

"Schützt eure Familie und eure Generation", "Wir werden nicht zulassen, dass diejenigen, die Krieg gegen die Familie führen nicht gewähren lassen", "Sag Nein zum geschlechtslosen Gesellschaftsentwurf" oder "Papa + Mama + Baby = Familie" war auf Schildern zu lesen, die von der Menge im konservativen Stadtteil Fatih hochgehalten wurden.

Ein Werbespot, der die Demonstration unterstützte, war vom türkischen Obersten Rat für audiovisuelle Medien als "von öffentlichem Interesse" eingestuft worden, was zu einem Aufschrei von Menschenrechtsgruppen führte.

"Nein zum Hassmarsch"

Menschenrechtsvertreter zeigten zutiefst beunruhigt. Viele türkische Internetnutzer teilten am Sonntag in den sozialen Netzwerken die Botschaft "Nein zum Hassmarsch", um sich mit der LGBTQ-Community, die Ziel der Demonstration waren, zu solidarisieren.

Die Organisation Ilga-Europe, die sich für Gleichheit und Menschenrechte einsetzt, rief alle politischen Parteien auf, den Marsch zu verurteilen. Der türkische Staat müsse seiner verfassungsmäßigen Verpflichtung nachkommen, alle seine Bürger vor Hass und Gewalt zu schützen.

Homosexualität ist in der Türkei seit Mitte des 19. Jahrhunderts entkriminalisiert, unterliegt aber weitgehend der gesellschaftlichen Ächtung und und wird von der regierenden islamisch-konservativen Partei AKP und der Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan angefeindet. LGBTQ-Demonstrationen sind in der Türkei seit 2015 nicht mehr erlaubt worden.