Was hat sich seit dem Pflege-Skandal vom Team Wallraff verändert?

Er ist für seinen Aufdecker-Journalismus und seine unorthodoxen Methoden bekannt. Kürzlich widmete sich Günter Wallraff einem Skandal in der Behindertenbetreuung. (Bild: AP Photo)


Gemeinsam mit seinem Team deckte Journalist Günter Wallraff kürzlich erschreckende Zustände in deutschen Behindertenheimen auf. Für das RTL-Magazin „Extra“ erkundigte sich Wallraff nach dem Status quo und forschte nach, ob sich die Bedingungen verbessert haben.

Schockierende Bilder: In Leverkusen schikaniert ein Behindertenbetreuer eine junge Frau, stellt ihr ein Bein, bringt sie zu Fall. Es waren nicht die einzigen Schockaufnahmen: In Speyer machen sich Pflegekräfte über einen spastisch gelähmten Mann lustig.

In beiden Fällen wurden personelle Konsequenzen gezogen: Während in Leverkusen verantwortliche Mitarbeiter vom Dienst freigestellt wurden, trat in Speyer der Geschäftsführer der Pflegeeinrichtung zurück. Nichtsdestotrotz sitzt der Schock bei den Angehörigen noch immer tief – sowohl bei der Familie der jungen Frau als auch den Angehörigen des Mannes.

„Es war grausam“, sagt die Mutter der behinderten Noemi. Ihr Vater merkt an: Ohne Wallraffs Reportage würden sie wohl bis heute denken, dass ihre Tochter in der Lebenshilfe Leverkusen gut aufgehoben wäre. Man habe die Konsequenz gezogen, ihre Tochter lebe mittlerweile in einer anderen Einrichtung und sei dort glücklich, so die Mutter der Betroffenen.


Der Betroffene aus Speyer ist hingegen noch im selben Pflegeheim untergebracht. Allerdings sehen sich seine Angehörigen bereits nach einer Alternative um. Damit sind sie auch gut beraten: Wie eine neue Untersuchung von Wallraff ergab, haben sich die Zustände in dieser Einrichtung immer noch nicht verbessert.

Eine ehemalige Mitarbeiterin, die sich vor der Kamera kritisch über die Lebenshilfe Speyer äußerte, wurde laut eigenen Angaben von einem Anwalt der Institution eingeschüchtert. „Mir kam es vor, als würde ich in einem Gefängnis arbeiten“, sagt sie über ihre Zeit dort.

Wallraff selbst zieht eine ernüchternde Bilanz: „Befürchte, die haben mehr zu verbergen, als wir wissen.“

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