Hauptrolle Berlin: Ein keines Würstchen bringt ein ganzes System zu Fall

Vorsicht vor den kleinen Würstchen. Den alten Tisch darf eigentlich nur einer aufstellen und ausziehen. Aber der Enkel, er kommt eben nicht, er ist in den Westen geflohen. Deshalb macht sich der Großvater, ein stalinistischer SED-Funktionär, selbst daran. Und hämmert mit der Wut eines Mannes, der sein Weltbild dahinbröseln sieht, Nägel in den „Nazitisch“, der – wie sein ganzes Heim – zuvor einem Nazi-Bonzen gehört hat.

Auf dieser Tafel wird zum 90. Geburtstag des Großvaters ein üppiges Büffet aufgetragen. Bei dem Versuch, sich ein Würstchen zu angeln, wird sich aber ausgerechnet der Urenkel – Spross des abwesenden Enkels – so unglücklich über den Tisch lehnen, dass dieser ächzend zusammenbricht. Und die ganzen Leckereien auf den Boden klatschen.

Ein ganzes Land in Auflösung

Ein kleines Würstchen bringt ein ganzes Gefüge zu Fall. Eine fast schon grobe Metapher. Denn als so brüchig und anfällig wie der Tisch erweist sich auch die Familie, die hier noch einmal zusammenkommt. Erweist sich auch der Staat, in dem sie lebt. Es ist der 1. Oktober 1989, an dem dieser 90. Geburtstag gefeiert wird. Sechs Tage später wird ein anderes Jubiläum anstehen, der 40. Jahrestag der DDR. Und bald schon wird dieses Land real nicht mehr existieren.

Lässt sich feiern und beschimpft doch alle: Bruno Ganz in einer seiner letzten großen Rollen. Hannes Hubach / X Filme

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