Hausärzteverband beklagt abflauendes Interesse an Corona-Impfungen

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Impfstoff (AFP/Fred TANNEAU)

Die Nachfrage nach Corona-Schutzimpfungen ist nach Angaben des Hausärzteverbandes deutlich niedriger als in der ersten Hälfte des Jahres. "Der Impfturbo, den wir im Frühjahr und bis zum Juli hinein erlebt hatten, ist definitiv abgeflaut", sagte Bundesvorstandsmitglied Armin Beck den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland vom Samstag. "Während einzelne Kolleginnen und Kollegen uns zuvor noch von 300 oder sogar 500 Anfragen wöchentlich berichteten, erhalten viele mittlerweile nur noch zögerliche 30 oder weniger", sagte Beck.

"Hinzu kommt, dass die Beratung bei vielen Patientinnen und Patienten deutlich aufwändiger geworden ist, da natürlich der Anteil der klaren Impfbefürworter unter den Ungeimpften mit Voranschreiten der Impfkampagne stark abgenommen hat", führte Beck weiter aus. "Den bisher nicht geimpften Patienten diese näherzubringen, nimmt viel Zeit in Anspruch", sagte der Mediziner, der auch Vorsitzender des Hausärzteverbands Hessen ist. Hier sei "viel Überzeugungsarbeit zu leisten".

Zuletzt lag die Impfquote in Deutschland nach offiziellen Angaben des Gesundheitsministeriums und des Robert-Koch-Instituts (RKI) bei 60,1 Prozent der Gesamtbevölkerung, die vollständig geimpft sind; 64,9 Prozent haben mindestens eine Impofdosis erhalten.

Zugleich befindet sich Deutschland nach RKI-Einschätzung inzwischen am Beginn der vierten Corona-Welle. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen stieg erneut an und lag am Samstag bei 72,1 - bundesweit wurden binnen 24 Stunden 10.303 Neuinfektionen registriert; die Zahl der Todesfälle in diesem Zeitraum lag bei 22.

Bislang gilt die Sieben-Tage-Inzidenz - die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche - als der entscheidende Richtwert, an dem sich die Corona-Maßnahmen von Bund und Ländern orientieren. Dies soll sich aber ändern: Die Bundesregierung bereitet derzeit eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes vor, derzufolge künftig anstelle des Inzidenzwertes die Auslastung der Krankenhäuser die zentrale Rolle spielen soll.

Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen warnte angesichts der zunehmenden Infektionsdynamik, es müsse befürchtet werden, dass das Gesundheitswesen wieder erheblich unter Druck gerate. "Bevor deshalb wieder alle Menschen in einen umfassenderen Lockdown geschickt werden, ist es richtig, hier zu differenzieren zwischen Menschen, die durch Impfungen besser geschützt sind, und Menschen ohne jede Form von Immunität", sagte Dahmen den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

"Es wäre Aufgabe der Bundesregierung, jetzt einen konkreten, einheitlichen Plan vorzulegen, ab welchen Grenzwerten statt 3G nur noch 2G geht und in welchen Fällen hier Ausnahmen, etwa aus medizinischen Gründen, gemacht werden müssen", forderte er. 2G steht dabei für "geimpft oder genesen" und unterscheidet sich damit von 3G, bei dem Genesene, Geimpfte, aber auch lediglich negativ Getestete eingeschlossen sind.

Dahmen sprach sich zudem für "konsequente, inzidenzunabhängige 3G-Regeln in Fernzügen und im Flugverkehr" aus. Die Bundesregierung habe einen weiteren Sommer verpasst, notwendige Vorsorge für eine weitere Pandemie-Welle zu treffen, kritisierte der Grünen-Bundestagsabgeordnete. Regierungssprecher Steffen Seibert hatte am Freitag mitgeteilt, dass die Bundesregierung derzeit die Anwendung der 3G-Regeln für den Fernverkehr der Bahn und für Inlandsflüge prüft.

jm/jes

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