Haus Balchem: Kölner Stadtteilbibliothek am Chlodwigplatz wieder offen für Besucher

18.000 Medien erwarten die Kölner Leseratten.

„Erinnerst Du Dich noch, wie es hier vor einiger Zeit aussah? Alles so dunkel und baufällig.“ Die Frau im graumelierten Tweedmantel wartet an dem warmen Donnerstagmorgen auf die Wiedereröffnung der Stadtteilbibliothek in der Severinstraße.

Aufgeregt schwirrt sie zwischen dem restlichen, bunt zusammengewürfelten Publikum hin und her und kommt schließlich bei einer Pensionärin im Steppblazer zum Stehen, die ihr ein breites Lächeln schenkt. „Aber schau‘ nur, was daraus geworden ist. Alles so schön offen und nicht mehr so düster wie vorher.“

Liebe zu Büchern

Ja, die Leute im Veedel am Chlodwigplatz lieben ihre Bibliothek, ihr kleines und beherzt geführtes Literaturcafé, ihre kleine „Auszeit aus dem Alltag“, wie eine junge Mutter mitten in der Menschenmenge lautstark betont. Der Kleine im Kinderwagen? „Das ist der kleinste Bücherwurm in der Familie“ schmunzelt sie. Abrupt kommen die Gespräche zum erliegen, als sich die Holztür zum kleinen aber feinen Literaturtempel öffnet.

Und während die Bibliotheksmitarbeiter im Spalier die Gäste und mit ihnen auch Dutzende duftende Blumensträuße in Empfang nehmen, beginnt das Raunen Hunderter Besucherstimmen drinnen von Neuem. „Ist das hell hier drin!“ Marion, die kurzhaarige Brünette, die schon vor Einlass bestens gelaunt ihren Bekanntenkreis unterhielt, reicht sogleich dem verantwortlichen Architekten die Hand, während sich ihr fünfjähriges Söhnchen umgehend auf die Bilderbücher stürzt, die gleich im Eingangsbereich auf Kinderaugenhöhe eingeordnet wurden.

Soziale Anlaufstelle nach der Schule

Später, wenn das Kind größer sei und eingeschult, könne es sehr gerne auch mit der Schulklasse in die Bibliothek kommen, erklärt Hannelore Vogt von der Kölner Zentralbibliothek. Sie will die Bücherei im Stadtteil ohnehin am Liebsten als soziale Anlaufstelle der Bürger und Lernraum nach der Schule verstanden wissen. Auch in den über drei Jahren der Bibliotheksschließung hätten die Mitarbeiter den Lesestoff regelmäßig in die Klassenzimmer gebracht. „Per Rucksackbibliothek“, lacht sie.

„Aber wir wollen natürlich auch, dass die Menschen ihr eigenes Programm zu uns bringen, damit das Miteinander so lebendig bleibt, wie es früher auch schon war. Oder sogar noch mehr.“ Wem dies nicht reicht, der kann in der Severinstraße zwischen 18.000 Medien aller Art das passende Angebot für sich wählen. Analog und digital? „Das gehört doch heute zusammen! Lesen ist immerhin die Grundvoraussetzung für die digitale Welt. Und eine Leseförderung ist dafür ja essentiell.“  

Innenarchitekt Andreas Franke kann das bestätigen. In der denkmalgerechten Vorbereitung der Bibliotheksneueröffnung setzte er nach einem Architektenwechsel sowohl auf Digitales, als auch auf Haptisches. Alt und neu, das gehöre für ihn einfach zusammen. So galt es beim Erhalt der virtuos geschnitzten Massivholz-Wendeltreppe aus dem 17. Jahrhundert viel Fingerspitzengefühl zu beweisen, die nun zum Blickfang in der Bücherei avancierte.

Während die alten Bleigläser der Fenster luziden Klarverglasungen weichen mussten. Denkmalgerecht, versteht sich. Immerhin hat Franke bereits ein breites Repertoire an Referenzbauten aufzuweisen – auch die behutsame Renovierung des  Rokoko-Jagdschloss Falkenlust und der Schifffahrtssaal und die historische Bibliothek des Kölner Oberlandesgerichts zählten bislang zu den Meisterstücken seiner Arbeit.

Nun folgt die lichte Gestaltung der Stadtteilbibliothek, die sich vor allem durch ihre „von außen nach innen und von innen nach außen fließende“ Öffnung und die zurückhaltenden Grautöne der Einrichtung auszeichnet. Für den unbeschwerten Lesegenuss. Auch Georg Seibert lässt sich den nicht nehmen. Soeben hat der Privatier einen „Kölner Stadt-Anzeiger“ ergattert und es sich auf einem der neuen Fenstererkerplätze im Obergeschossbequem gemacht. „So schön entspannend“, murmelt er zu seiner Nachbarin....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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