Zu Hause ist es doch am schönsten

Die Wohnberaterin des Landkreises Hof berät Senioren und andere Personen zu Wohnumfeldverbessernden Maßnahmen.

Im Juni bekam er die Diagnose: bösartiger Leberkrebs. Ein Heim kommt nicht in Frage, meint seine Frau. Also muss sie das eigene Heim pflegegerecht umbauen - eine Wohnberaterin hilft ihr dabei.

Weißdorf (dpa) - Als sie aus dem Fenster blickt, kommen ihr die Tränen. «Die Aussicht ist doch so schön», sagt die 75-Jährige, während ihre Stimme immer leiser wird. Jeden Tag genieße sie das, seit 30 Jahren.

Aber inzwischen komme ihr Mann kaum mehr die Treppe hoch. «Wie lange wir für jede Stufe brauchen...» Sie winkt ab. Kein Gedanke daran, als sie damals das Haus in der oberfränkischen Gemeinde Weißdorf gekauft haben. «Wir haben nur beschlossen: Hier lebt sich's gut. Hier wollen wir bleiben», erzählt die Seniorin.

Isolde Guba drückt ihre Hand. Den Wunsch hört sie ständig. Als Wohnberaterin im Landkreis Hof ist es ihre Aufgabe, ihn auch zu erfüllen. Die 52-Jährige kommt, wenn die Tür zu eng für einen Rollstuhl ist. Sie berät, wenn Familien ein barrierefreies Haus bauen wollen. Oder wenn die Treppe plötzlich unüberwindbar erscheint, wie bei dem Ehepaar aus Weißdorf.

Vor der Treppe dreht sich die 75-Jährige zur Seite. Mit beiden Händen klammert sie sich an das Geländer, das ihr zumindest auf der einen Seite ein bisschen Sicherheit verspricht. Seitlich, Schritt für Schritt, wagt sie sich schließlich mit ihren Pantoffeln die Stufen hinunter. Guba lässt die Seniorin dabei nicht aus den Augen. «Ich schaue mir immer an, wie sich die Bewohner bewegen», erklärt die Wohnberaterin. So könne sie Stolperfallen am besten erkennen.

Bayernweit gibt es mittlerweile mehr als 80 solcher haupt- und ehrenamtlichen Beratungsstellen. Ein flächendeckendes Netzwerk ist nach Angaben des Sozialministeriums aber noch nicht vorhanden. Dabei ist der Bedarf groß, wie die Wohnberatung im Landkreis Hof zeigt: Seit vergangenem April haben sich bei Guba mehr als 100 Familien gemeldet. Rund 180 kostenlose Beratungen hat sie seitdem durchgeführt.

«Die Wohnberatung war das Beste, was mir passieren konnte», meint die Seniorin aus Weißdorf. Denn Anfang Oktober ist sie selbst gestürzt, diesmal waren die sechs Stufen in ihrem Schlafzimmer das Problem. «Mein Gesicht war blau, mein linker Arm war blau», sagt die zierliche Frau. Aber das Schlimmste: Mit einer ausgerenkten Schulter konnte sie nicht mehr ihren krebskranken Mann pflegen. Ein Pflegedienst hat ihr dann nicht nur beim Baden geholfen, sondern auch gleich die Wohnberatung empfohlen.

Auf Anregung von Beraterin Guba soll noch diese Woche ein Schreiner kommen, um ein Geländer im Schlafzimmer anzubringen. Auch im Treppenhaus gibt es bald einen zweiten Handlauf. «Haben Sie den Hausnotruf schon beantragt?», hakt die Wohnberaterin nach. Das werde sie noch tun, verspricht die 75-Jährige. Nur das Bad im Erdgeschoss will sie erstmal nicht barrierefrei ausbauen. Mehr als 11 000 Euro veranschlagten die Handwerker, das sei ihr zu teuer.

Nicht immer koste Barrierefreiheit so viel Geld, sagt Guba. Überhaupt mache sie nur Vorschläge. Manchmal reiche es auch schon, eine Kommode zu verschieben. Oder sich von Teppichen zu trennen. «Teppiche sind klassische Stolperfallen», erklärt die Wohnberaterin. Davon will die 75-Jährige aber nichts wissen. «Jaaa... wann kommen Sie denn wieder?», fragt sie und grinst. «Dann rolle ich die Teppiche davor schnell zusammen.»