Haustier-Verbot: angebliches Baerbock-Zitat frei erfunden

Johannes Giesler
·Freier Autor
·Lesedauer: 3 Min.

Nein, Annalena Baerbock, die Kanzlerkandidatin der Grünen, hat kein Ende der Haustierhaltung in Deutschland gefordert. Das Zitat ist frei erfunden, wie diverse Faktenchecks belegen.

A co-leader of Germany's Green party Annalena Baerbock gives a speech during digital announcement event where the party is expected to present the proposal that the top duo will go into the federal election campaign and the announcement of candidacy for chancellor at the malt factory in Berlin, Germany, April 19, 2021.  REUTERS/Annegret Hilse/Pool
Annalena Baerbock, Kanzlerkandidatin der Grünen, wurde ein falsches Zitat untergejubelt. Foto: Reuters / Annegret Hilse

Die Grünen haben sich entschieden: Annalena Baerbock ist Kanzlerkandidatin ihrer Partei. Während das Medienecho auf die Entscheidung, die nach außen hin ruhig und geeint kommuniziert wurde, überwiegend positiv ausfiel, häufen sich hingegen in sozialen Netzwerken seither Falschmeldungen über Baerbock.

Vergangene Woche hat ein kurzer Text, der auf die Spitzenkandidatin zurückgehen soll, für besonders viel Aufmerksamkeit gesorgt. Er wurde etwa auf Facebook tausendfach geteilt. Darin hat Baerbock angeblich das Ende der Haustierhaltung gefordert, weil durch „den Wegfall der Hunde in Deutschland ca. 19 Millionen Tonnen Kolenstoffdioxid“ eingespart werden könnten – "fast 10% des Straßenverkehrs". Und weiter heißt es: "Die private Tierhaltung muss daher ein Ende haben und wenn es durch eine CO2 Steuer auf Haustiere erfolgt."

Schreibfehler, Faktenfehler, fehlendes Medium

Wie diverse Faktenchecks zeigen, gibt es keinen Beleg dafür, dass Baerbock das jemals so gefordert oder vorgeschlagen hat. Dazu wurde etwa die Pressesprecherin der Grünen, Nicola Kabel, befragt. Sie antwortete dem Bayrischen Rundfunk: "Das Zitat ist schlicht frei erfunden, Annalena Baerbock hat das nicht gesagt." Der BR hat das Zitat zudem in der Zeitungs- und Agenturdatenbank, wo beinahe sämtliche Presseberichte der letzten Jahre zu finden sind, gesucht. Ohne Ergebnis.

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Ein weiterer Hinweis, dass es sich um eine Fälschung handelt, sind die zahlreichen offenkundigen Fehler in der angeblichen Nachricht: Schreibfehler ("Kolenstoffdioxid" statt Kohlenstoffdioxid), fehlerhafte Kommasetzung, dazu Faktenfehler (Baerbock ist 40 Jahre alt, nicht 39). Zudem ist kein Medium erkenntlich und es gibt keine Absenderangaben.

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Correctiv hat das Zitat anhand diverser Such-Operatoren mit gängigen Suchmaschinen gesucht. Ohne Ergebnis. Selbst "Annalena Baerbock" und "Hunde" ergab keinen Treffer. Zusätzlich wurde mithilfe der Video- und Podcastdatenbank "Spaactor" gesucht, ob Baerbock die Aussage in einem Podcast oder Video getätigt hat. Ohne Ergebnis.

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Immerhin: Das Bild von Baerbock, das zu dem kurzen Text veröffentlicht wurde, bringt ein Ergebnis. Es stammt aus dem Jahr 2019. Das zeigt eine einfache Bildersuche.

Wozu das Ganze?

Es handelt sich also offenkundig um eine Fälschung, die Annalena Baerbock absichtlich untergejubelt wurde. Was aber ist der Sinn dahinter? Dazu schreibt die Faktencheckerseite Mimikama: "Wir haben es hierbei mit dem klassischen sogenannten 'Grünen Bashing' und dem Narrativ der Verbotspartei zu tun. Seit Jahren können wir schon beobachten, dass speziell den Grünen vorgeworfen wird, dass sie allerlei absurde Verbote fordern." Dabei würden vor allem emotionalisierende Themen genutzt, wie eben die Haustierhaltung oder auch Grillverbote.

Faktenchecks von Correctiv zeigen ebenfalls, dass Grünen-Politiker*innen regelmäßig und wohl auch absichtlich Aussagen zugeordnet werden, die sie so nie getroffen haben.

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