Havanna-Syndrom: US-Behörden besorgt wegen "anomalen gesundheitlichen Vorfällen"

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Seit 2016 sind mehr als 100 US-Diplomaten, -Spione und -Soldaten am so genannten Havanna-Syndrom erkrankt. Was hat es mit dem Phänomen auf sich, das Politiker, Gesundheits- und Sicherheitsexperten der USA vor ein Rätsel stellt?

Personen, die unter dem Havanna-Syndrom leiden, berichten von Kopfschmerzen und Schlafproblemen. (Symbolbild: Getty Images)
Personen, die unter dem Havanna-Syndrom leiden, berichten von Kopfschmerzen und Schlafproblemen. (Symbolbild: Getty Images)

US-Behörden zeigen sich besorgt über die wachsende Zahl von Personen, die am so genannten Havanna-Syndrom erkranken. Sie schlagen umso lauter Alarm, als Ende vergangenen Jahres auch zwei Mitarbeiter des Nationalen Sicherheitsrats der Vereinigten Staaten, also aus der Machtzentrale des Landes, mit entsprechenden Symptomen auffällig wurden. Über den zweiten Fall berichtete CNN am Montag ausführlich.

Demnach wäre der oder die Mitarbeiter/in des National Security Council Ende vergangenen Jahres, wenige Wochen nach den US-Präsidentschaftswahlen erkrankt. Die Person hätte in der Nähe des Eingangs zum Weißen Haus, des Regierungssitzes der US-Präsidenten in Washington, D.C., über Beschwerden geklagt, schreibt das Nachrichtenmagazin unter Berufung auf zwei namentlich nicht genannte Quellen.

Über den ersten Fall hatten US-Medien Ende April berichtet. Die Person arbeite bei derselben Behörde. Sie wäre im November vergangenen Jahres, wenige Wochen vor der zweiten Person, jedoch auch nach den US-Wahlen und ebenfalls nahe dem Weißen Haus erkrankt. Zu den Symptomen hätten unter anderem Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit gehört. Dagegen soll die zweite Person so starke Beschwerden gehabt haben, dass sie medizinisch behandelt werden musste.

Immer mehr Krankheitsfälle

Neben diesen beiden gibt es eine dritte Person, die in den USA erkrankte. Es handelt sich Medienberichten zufolge um eine Mitarbeiterin des Weißen Hauses. Sie hätte Ende 2019 in Arlington, einem Vorort von Washington D.C. über unerklärliche gesundheitliche Beschwerden geklagt.

Insgesamt ist die Fallzahl in den letzten Jahren laut CNN auf mehr als 130 angewachsen. Genannt werden die Krankheitsfälle deshalb Havanna-Syndrom, weil in den vergangenen Jahren mehrere Diplomaten aus den USA und Kanada in der Hauptstadt Kubas erkrankten. Erstmals auffällig wurden die Symptome im Jahr 2016. Seither hätten auch Mitarbeiter von US-Nachrichtendiensten und US-Soldaten über ähnliche Beschwerden berichtet, die in Kuba sowie in Russland, China und anderen Ländern tätig waren. Auch in Europa soll es Verdachtsfälle gegeben haben.

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Zu den Symptomen gehörten unter anderem Schwindel, Schlaflosigkeit und Kopfschmerzen. Die Schmerzen würden von einem durchdringenden Geräusch begleitet. Einige Personen hätten erklärt, dass die Krankheitszeichen nachließen, nachdem sie den Raum verlassen hatten, wo sie sich unwohl fühlten. Die Symptome wären wieder aufgetreten, nachdem sie in den Raum zurückkehrten.

Handelt er sich um einen feindlichen Angriff?

Die Gesundheitsexperten sind laut CNN noch immer dabei, die Erkrankung zu bestimmen. Es gebe kein homogenes Krankheitsbild. Die Betroffenen litten unter einer Vielzahl unterschiedlicher Beschwerden, von denen Wissenschaftler und Ärzte nicht wüssten, ob sie zur selben Krankheit gehören. 

Strittig sind auch die Fragen nach den Ursachen und ob das Havanna-Syndrom möglicherweise die Folge eines feindlichen Angriffs ist. Mehr als indiziengestützte Vermutungen gibt es jedoch nicht. Dazu gehören die Annahmen, dass die Krankheitssymptome von einer "gerichteten, gepulsten Hochfrequenz-Energie" herrühren könnten, wie es in einem Bericht der National Academy of Sciences heißt, und dass die auch Mikrowellenstrahlung genannte Quelle ein gezielter Angriff sein könnte aus Russland, Kuba oder China. 

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Spekuliert wird auch, dass es den potenziellen Angreifern darum gehen könnte, Informationen von den Mobiltelefonen ihrer Opfer zu sammeln. Vor diesem Hintergrund könnten die Beschwerden Nebenwirkungen des Datenhacks sein.

Die USA zeigen sich jedenfalls entschlossen, die Hintergründe der "anomalen gesundheitlichen Vorfälle", wie die Krankheitsfälle in nachrichtendienstlichen Kreisen genannt werden, zu untersuchen. Die Regierung von Joe Biden habe ihre Bemühungen erhöht, die "Ursache der Vorfälle zu identifizieren", heißt es in der Stellungnahme eines Sprechers des Director of National Intelligence, Avril Haines, die dem Zusammenschluss mehrerer US-amerikanischer Nachrichtendienste vorsteht.

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