Heftige Ausschreitungen im Londoner Stadtteil Tottenham

London (dapd). Nach dem Tod eines 29-Jährigen bei einer Schießerei mit der Polizei ist es im Londoner Stadtteil Tottenham in der Nacht zu Sonntag zu schweren Ausschreitungen gekommen. Mindestens zwei Polizeiwagen, ein Doppeldeckerbus sowie ein Gebäude wurden in Brand gesetzt, Schaufenster wurden eingeschlagen und Geschäfte geplündert. Die Sicherheitskräfte forderten Verstärkung an, in vielen Teilen der Stadt waren Sirenen von Polizeifahrzeugen zu hören.

Die Unruhen brachen aus, nachdem ein Mann bei einer Schießerei offenbar von einer Polizeikugel getroffen wurde. Nach Angaben der Sicherheitskräfte versammelten sich etwa 300 Menschen vor der Polizeiwache in dem nördlichen Londoner Stadtteil. Teilnehmer der Proteste sprachen von bis zu 500 wütenden Anwohnern, die in Sprechchören "Gerechtigkeit" forderten.

"Es sieht wirklich schlimm aus", sagte der 46-jährige Anwohner David Akinsanya. "Da brennen zwei Polizeiautos, ich fühle mich unsicher." Polizisten in Schutzausrüstung und auf Pferden bemühten sich, die wütende Menge zurückzutreiben. In den Straßen machten sich Plünderer mit Einkaufswagen voller gestohlener Sachen davon.

In Tottenham kommt es immer wieder vor, dass Spannungen, bei denen zum Teil auch Rassismus im Spiel ist, in Gewalt umschlagen. Die schlimmsten Ausschreitungen brachen im Jahr 1985 aus, nachdem eine Frau während einer Razzia der Polizei in ihrem Haus an einem Schlaganfall starb. Ein Polizist, der eine Gruppe Feuerwehrmänner schützen wollte, wurde damals von einem wütenden Mob zu Tode geprügelt. Etwa 60 weitere Beamte mussten mit zum Teil schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden.

Etwas mehr als zehn Kilometer von der Londoner Innenstadt entfernt, zählt Tottenham zu den ärmsten Gegenden Großbritanniens. Fast die Hälfte aller Kinder lebt hier Untersuchungen zufolge in Armut. Der Anteil der Ausländer zählt zu den höchsten im ganzen Land.

© 2011 AP. All rights reserved