Heftige Bauernproteste rund um EU-Institutionen

Mit heftigen Protesten haben Europas Bauern den Politikern im Brüsseler Europaviertel eingeheizt. Dutzende Traktoren und hunderte wütende Landwirte blockierten am Montagmittag das Viertel rund um die wichtigsten EU-Institutionen. Weitere Protestler waren noch auf dem Weg, insgesamt rechneten Veranstalter und Polizei mit mehreren Tausend Teilnehmern. Hupkonzerte und Böller sowie Eierwürfe unterstrichen die Forderungen der Landwirte, von denen viele aus Deutschland kamen. Das Sondertreffen der EU-Agrarminister wurde von der Polizei geschützt.

"Bauern brauchen einen fairen Preis - 40 Cent pro Liter Milch" und "Der Milchmarkt brennt, die Politik pennt!", hieß es auf Plakaten. An Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) gerichtet stand dort auch: "Christian, wo bist Du?"

Es sei die dritte Krise in sechs Jahren, schimpfte Manfred Gilch, Milchbauer aus Bayern. "Jedes Mal ist es die gleiche Situation. Jedes Mal läuft der Markt über, weil die Produktion über der Nachfrage liegt", sagte Gilch nahe dem Gebäude des EU-Ministerrats der Nachrichtenagentur AFP. Gilch bewirtschaftet im mittelfränkischen Hilpoltstein einen jahrhundertalten Hof. Die Familie helfe mit, aber "bei der jetzigen Wirtschaftlichkeit besteht keine Perspektive, den Hof weiterzugeben." Den Einnahmen von 29 Cent pro Liter stünden Produktionskosten von 45 bis 50 Cent gegenüber, sagte Gilch, der zugleich Landesvorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) ist.

Rémy Hulin, der bereits im Ruhestand ist, reiste aus dem französischen Calvados an. "Es gibt hunderte Selbstmorde in der Zucht, das ist das Ergebnis einer desaströsen Landwirtschaftspolitik", sagte er. "Jeden Morgen steht man auf und verliert beim Melken unserer Kühe Geld", meint Jacky, der sich nur mit Vornamen vorstellte und ebenfalls aus Calvados in die EU-Hauptstadt kam, um die Politiker unter Druck zu setzen.

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