Serie: Helmut Kohl, der Vertrauensstifter

Michail Gorbatschow (l) gestikuliert während eines Spaziergangs mit Helmut Kohl (r) im Garten des Gästehauses in Archys/Kaukasus (Archivfoto vom 15.07.1990). In der Mitte Gorbatschows Ehefrau Ehefrau Raissa

Geschichte verdichtet sich oft in Dingen, die dann von ihr erzählen. Luthers legendäres Tintenfass, Wallensteins Degen, Napoleons Zweispitz: Sie alle überführen den abstrakten, zuweilen chaotisch wirkenden Weg der Historie in konkreten Stoff. Fragt man nach einem solchen Gegenstand im Hinblick auf die Lebensleistung Helmut Kohls, dann wird die Antwort leichtfallen: eine blaue Strickjacke.

Das Bild hat sich eingebrannt: Wie Helmut Kohl, leger bekleidet mit ebenjener Jacke, an der Seite des auch nur einen Pullover tragenden Michail Gorbatschow im Juli 1990 in dessen kaukasischer Heimat spazieren ging, wie sie in fast familiärer Atmosphäre den Flusslauf des Selentschuk betrachteten und sich schließlich, die Abenddämmerung genießend, mit Außenminister Hans-Dietrich Genscher auf einer Sitzgruppe aus Baumstämmen niederließen.

Das Problem schien sich einfach aufzulösen

Die spektakuläre Neuigkeit, die Kohl auf der Pressekonferenz des folgenden Tages verkünden konnte, hat sich in der Rückschau organisch mit dieser Ausflugsatmosphäre verbunden – einer Stimmung, in der alle Konflikte vergangener Jahrzehnte und auch die widerstreitenden Interessen der Gegenwart wie beerdigt schienen. "Das vereinte Deutschland", teilte Kohl mit, "kann in Ausübung seiner uneingeschränkten Souveränität frei selbst entscheiden, ob und welchem Bündnis es angehören will. Das entspricht der KSZE-Schlussakte. Ich habe als die Auffassung der Regierung der Bundesrepublik Deutschland erklärt, dass das geeinte Deutschl...

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